28.07. 2012


Hals- und Beinbruch

 


Gestern Abend haben wir einen weiteren Teil unserer Heuernte eingefahren.

 

 

Es waren wesentlich weniger Fuhren, als beim ersten Mal, doch „Kleinvieh macht auch Mist“.

 

So sind wir froh, auch diese kleine Menge auf dem Heuboden zu haben. Es liegt neben der ersten Ernte, um zu trocknen. Jeden Tag wird es gewendet. So haben wir eine reelle Chance auf eine gute Qualität. Aber es steht nach wie vor noch ein Viertel des Grases auf der Wiese. Ab heute regnet es wieder und für die nächsten 10 Tage soll es so bleiben. Die letzte Heuernte gibt es also im August. Das ist verdammt spät!

 

Ralf hatte heute einen Rundgang durchs kleine Tal gemacht, wo augenblicklich unsere Herde steht. Sie haben gute Arbeit geleistet, alles Fressbare ist verschwunden. Liane schleuste aus diesem Grund die gesamte Herde auf die Pferdeweide, um sie dann einen Tag später weiter, auf die andere Seite des Berges zu schicken.

 

Deshalb hatte Ralf sich entschlossen, nochmals den Weidezaun abzugehen und hier und da Reparaturen auszuführen. Um alles Notwendige bei sich zu haben, fuhr er mit dem Holder und kleinem Hänger auf die andere Seite von Espetveit. Es ist zwar sehr uneben dort, aber wenn man es vorsichtig macht, kann der Holder dort fahren.

 

Liane hatte inzwischen den Zaun auf der Pferdekoppel gesichert, Wasser und Salzsteine gewechselt und auch den Futterautomaten für die Lämmer herübergezogen. Viel schwere Arbeit, aber wir sind ja inzwischen gut trainiert als Hobbybauern.

 

Plötzlich fuhr da vorbei an unserem Tor ein Krankenwagen, fuhr mit einer „Affengeschwindigkeit“ den Weg hoch zu Pauls  altem Haus. Komisch,... hier oben ist doch Niemand ? Keine 5 Minuten später kreiste ein Helikopter über Espetveit und landete auf der Weide hinter dem Berg und zwar genau da, wo Ralf den Zaun reparierte.

 

Jetzt wurde es Liane doch Angst und Bange und sie lief über den Berg runter zur Weide, wo inzwischen der Helikopter stand und ganz weit unten in der Nähe vom Bach Sanitäter sich bewegten.

Nun schoss es wie ein Blitz durch den Kopf...RALF!!!

 

Beim Näherkommen lag Ralf neben dem Holder und wurde gerade von den Sanitätern und dem Notarzt versorgt. Das linke Hosenbein war aufgeschnitten und der linke Fuß stand abseits der Unterschenkelknochen. Ansonsten war nichts zu erkennen und Ralf war ansprechbar.

Er bekam eine Kurznarkose, der Fuß wurde gerichtet und ab ging es mit dem Helikopter ins Krankenhaus nach Kristiansand.

 

Was war passiert?

Ralf hatte seine Reparaturen am Zaun fertig und wollte mit dem Holder wieder nach Hause fahren. Dabei verfing sich ein Hosenbein im Reifenprofil und sein Fuß geriet zwischen Rad und Fußpedalplatte. Er versuchte aus dieser Zwickmühle wieder raus zu kommen, schaffte es aber nicht rechtzeitig. Er wurde unter den Traktor gezogen. Den Motor konnte er im letzten Augenblick abwürgen. Wer weiß, was sonst passiert wäre?! Da lag er nun. Kein Mensch in der Nähe. Liane auf der anderen Seite des Berges. Sie hörte kein Rufen und kein Pfeifen . So manövrierte Ralf sich selbst unter dem Traktor wieder raus. Nachdem er sich befreit hatte, kam er auch an sein Handy und konnte den diensthabenden Oberarztkollegen in Kristiansand anrufen. Der hat alles weitere organisiert.

 

So schnell wird man vom Arzt zum Patienten.

Inzwischen ist Ralf operiert und das Bein steckt in einem Unterschenkelgips. Es geht ihm gut und der Holder hat Gott sei Dank keinen weiteren Schaden angerichtet. Der „restliche Ralf“ ist gesund.

 

Alles in Allem hatte er noch riesiges Glück im Unglück. Es hätte ganz anders ausgehen können. Wir wollen gar nicht daran denken. Aber so kann es sein, ... nur ein paar Meter auseinander und ein Berg dazwischen..., man bekommt nichts mit. In Zukunft wird Liane immer ein Handy in der Tasche haben, wenn Ralf mit dem Traktor allein unterwegs ist. 

 

Jetzt muss alles von Frauenhand allein bewerkstelligt werden und zwar zu Hause, wie auch in der Klinik. Unser Oberarztkollege ist für die kommenden 3 Wochen im wohlverdienten Urlaub. Ralf muss mit dem Gips wenigstens 6 eher 8 Wochen an Krücken gehen und danach gibt es Linderung mit therapeutischem „Schuhwerk“. So ist der Sommer futsch!

 

Ein Teil unserer Heuernte steht aber noch an und auch die restlichen 210 Rundballen, die wir mit dem Hänger aus Kristiansand holen müssen, warten noch auf uns. Das schlechte Wetter zögert alles nur hinaus, aber gemacht werden muss es, sonst hätten wir über den Winter nicht genügend Futter für die Tiere .


Aber Rettung naht!!!

Die „Schneegänse“ haben ja ihren Urlaub bei uns geplant und „fliegen“ bereits in einer Woche bei uns ein. Die werden sich wundern.

In diesem Jahr gibt es einen Urlaub der ganz besonderen Art. Aktivferien auf dem Bauernhof, wie schön!!!

Doch wir denken, dass es Nicole und Stephan nichts ausmacht, mit anzupacken. Sie waren auch 2010 und 2009 in unsere Arbeit hier auf dem Hof integriert. 
 

Wir lernen durch Irren und Fehler und werden Meister durch Übung, ohne zu merken, wie es zugegangen ist.

                                                                        Christoph Martin Wieland

                    

 


 

22.07. 2012

Letzter Urlaubstag

 

Wir haben in diesem Jahr lange gewartet.

 

 

 

 

Nun steht schon unser letzter Urlaubstag an und der Pferdestall ist immer noch nicht ausgemistet. 

Es ist in 2-3 Stunden getan, aber bislang war einfach keine Zeit dafür da oder die Umstände, insbesondere das Wetter, nicht mit spielten. 

 

Unser Stall ist so konstruiert, dass wir einen großen Teil der Späne mit dem Traktor ausräumen können, was uns erheblich die Arbeit erleichtert.

Noch regnete es nicht, so dass wir nach dem Frühstück mit der Stallarbeit begannen. Binnen 3 Stunden waren die alten Späne raus und bereits die neue Einstreu eingelegt. Anschließend feuchteten wir die Späne an. In Norwegen sind die Späne nicht staubfrei und aus der Erfahrung der letzten Jahre kann das zu Hufprobleme führen. Aufgrund des hohen Harzanteils kommt es zu Irritationen an der empfindlichen Haut der Fußfesseln und es entstehen kleine offene Wunden, die sich natürlich infizieren können. Das kann beim Pferd der Beginn der gefürchteten Mauke  sein. Unseren ersten Wallach haben wir durch diese schwere Infektion verloren und das wollen wir kein zweites Mal erleben.

 

Die alten Späne benutzen wir, um den Weg hinter dem Schafstall zu verbreitern und den Hang zur Wiese zu befestigen. Es ist gutes Füllmaterial und erspart uns einige Kosten für den Kauf anderer Füllmasse.

In 3-4 Jahren ist daraus Erde geworden und hat sich entsprechend gesetzt, verdichtet und verfestigt.

 

Bandy und Szindi standen draußen vor dem Stall und beobachteten unser Treiben. Nachdem alles fein sauber war, eroberten sie ihr zu Hause zurück indem sie die ersten Pferdeäpfel verteilten und beim Befeuchten der Späne halfen. Sie mussten schon zeigen, dass es ihr zu Hause ist und das tun sie mit dem Setzen ihrer Duftmarken.

 

Unsere Schafe haben auch ihre Weide gewechselt. Sie sind nun im kleinen Tal und halten uns dieses Gebiet sauber. Es sind tolle Landschaftspfleger und einfacher als mit einer Schafherde kann man dieses doch recht unwegsame Gebiet gar nicht frei halten.

Dreizehn und Hänschen sind wieder auf der „Herrenwiese“ Es scheint so, dass sie sich dort recht wohl fühlen. Wenn wir auf dem Spaziergang mit unseren drei Hundemädchen vorbei gehen werden wir immer lauthals begrüßt. Dann liegen die beiden oben auf dem Berg unter einer großen Kiefer und beobachten uns auf unserem Weg zum See.

 

So, nun haben wir alles fertig. Der Urlaub ist vorüber.

Es regnet und da macht es uns gar nichts aus, wieder täglich in die Klinik zu fahren. Wir versäumen nichts.

Eigentlich wollten wir die Welt erobern … aber es regnet!

 



Nach der Heuernte
Nach der Heuernte

  

21.07. 2012

 

Ran ans Heu

 

Es waren 3 Tage regenfreies Wetter gemeldet und so begannen wir mit der Heuernte. 

 

Bereits am Mittwoch wurde ein Teil unserer Wiese mit dem Balkenmäher gemäht. Allerding betraf es nur ¼ unserer geplanten Gesamtfläche. Das Gras stand sehr dicht. Es war für Ralf nicht leicht den Schnitt gut durchzuführen. Aber als eingefleischter Hobbybauer schob er den Balkenmäher so durch das hohe Gras, dass die Halme sich wie auf Wunsch zur richtigen Seite legten. Tja, die richtige Technik macht`s und die Erfahrung der vergangenen Jahre, wie welcher Abschnitt in welcher Richtung zu mähen ist. Am Nachmittag ging es dann mit Traktor und Heuwender über die Fläche, um die Reihen zu legen. Allerdings mußten wir einen großen Teil mit dem Heurechen bearbeiten, da die Maschine nicht in alle Ecken kommt und auch teilweise der Boden so weich ist, dass man mit dem Traktor mehr kaputt macht, als man gewinnt.

Den Donnerstag brauchten wir als zweitenTrockentag und waren auch hier fleißig mit dem Wenden beschäftigt. Allerdings änderte sich die Wetterlage und am Freitag ging seichter Regen auf unser fast trockenes Heu. Wir hätten schreien können. Sollte alles umsonst gewesen sein, unsere ganze Arbeit dahin? Gott sei Dank war es nicht viel Niederschlag und so holten wir, das ach so wertvolle Heu, am Sonnabend rein. Wir brauchten mehr als 6 Stunden , denn das Gelände ist nicht so einfach aubzuräumen. Wir benutzen den Holder mit Pferdehänger  und mußten mit der großen Last auf dem steilen Gelände sehr vorsichtig und langsam fahren.

 

Auf den Heuboden zogen wir es wieder mit unserer alt bekannten Methode: Plane und Seilzug, aber dieses Mal verbessert durch“Doppelplanengebrauch“.

 

Natürlich ist das Heu nicht trocken. Es liegt ausgebreitet auf dem Boden und wird nun jeden Tag gewendet.

 

Übrigens kam am Sonntag der Regen zurück.

Das erste Heu ist drinnen und nun werden sich ja wohl noch ein paar Sonnentage finden, um auch die restlichen Wiesen abzuernten.

Verdammt nochmal, so ein Schei...sommer!!!

 

Die heutigen Menschen glauben, dass man die Arbeit so einrichten müsse, dass sie möglichst viel Ertrag abwerfe.  

Das ist ein falscher Glaube; man muss die Arbeit so einrichten, dass sie die Menschen beglückt.

                                                                                              Carl Ernst

 

 

17.07.2012 Kurzurlaub in Deutschland

 

Während unseres Urlaubs führte uns eine lange geplante Familienfeier nach Deutschland.

Da die dortigen Räumlichkeiten es nicht zuließen , dass unsere drei Hundemädchen mit dabei sein konnten, zogen sie in eine „Hundewellnessoase“ in der Nähe von Hamburg.

 

Dieses Hundehotel lag auf unserer Reiseroute und nach vorheriger Information über das Internet waren auch wirklich noch 3 Wellnessplätze frei. Natürlich war uns etwas mulmig zu mute, denn es war das erste Mal , dass unsere drei Hundedamen ohne uns sein würden.

So starteten morgens um 06:00 Uhr von Espetveit zur Fähre nach Kristiansand. Mit etwas Verspätung ging es dann aufs Meer und um 12:00 Uhr waren wir in Hirtshals wieder runter vom Schiff. Alle hatten die Überfahrt gut überstanden. Keine von unseren drei Minis hatte sich übergeben und das Autoinventar hatten auch keinen Schaden genommen. Also los Richtung Süden. Alle 2-3 Stunden machten wir eine „Pipipause“ für alle Mitreisenden verbunden mit einem kleinen Schnupperspaziergang um die neue Welt kennen zu lernen.

 

Endlich um 18:45 Uhr kamen wir im Hundehotel an. Neele , die eigentlich etwas reserviert gegenüber allem Neuen ist , war überraschend ruhig. Nach einem kurzem Kennenlernen wurde das Hundeapartment bezogen und ohne viel Worte verschwanden wir und überließen Anouk, Neele und Thyra Frau Werth, die dieses Hundehotel führt.

 

Unsere Familienfeier war toll. Es war schön mal wieder alle unter einem Dach zu haben.

 

Montags holten wir dann unsere Rassenbande wieder ab. Das war vielleicht eine Wiedersehensfreude. Die Drei konnten sich gar nicht beruhigen und wichen keinen cm von unserer Seite. Unsere Hundemädchen eingepackt und Richtung Hirtshals gefahren. Angekommen ereilte uns die Nachricht, dass die Fähre mit einer Stunde Verspätung ankommen wird. Na, Klasse, ... wir hatten 12 Stunden Autofahrt hinter uns und nun das. Aber wir konnten es nicht ändern und so warteten wir geduldig. Endlich wurde verschifft und wir hofften, daß es nun nach Plan Richtung Kristiansand geht. Aber wie so oft kommt es anders als man denkt. Die Fähre hatten einen technischen Schaden und konnte nur mit halber Kraft fahren, so dass wir letztendlich um 02:00 Uhr nachts anlegten. Glücklich durch den Zoll gekommen ging es nun schnell nach Hause.

 

Gegen 03.30 Uhr standen wir wieder auf Espetveit. Unsere Minis waren glücklich wieder leinenfrei sich bewegen zu dürfen. Sie waren aufgrund der Verzögerung mit der Fähre 6 Stunden ununterbrochen im Auto und haben sich in dieser Extremsituation phantastisch ruhig verhalten. Wir waren richtig stolz auf unsere Mädels.

 

Es war für uns alle eine sehr anstrengende Reise und so wollten wir die restlichen Urlaubstagen einfach auf uns zu kommen lassen.

Keine Planung, einfach sehen, was sich ergibt.

 

Wer einmal sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren.

                                                                                       Stefan Zweig


 

08.07. 2012 Aufstieg zur Lakkenstova


Vorgenommen hatten wir uns für heute die rote Wanderroute in Åseral ausgehend vom "Alpinsenter". Aber oft kommt es anders als man denkt.

 

Den Plan haben wir während unserer Fahrt geändert und es ging weiter mit dem Auto nach Ljosland zur Fjellstova einem Hotel von dem es einige Wanderrouten in die Berge gibt. Es waren 78 km zu fahren und dann standen wir endlich auf dem Parkplatz vor dem Hotel.

 

Schnell eine Wanderkarte gekauft und unser Ziel angepeilt.

Zur Lakkestova wollten wir hoch. Angeblich sollte der Aufstieg ca. 3 Stunden dauern. Die Lakkenstova ist eine Hütte in 845m Höhe und bietet die Möglichkeit 28 Personen zur Übernachtung einzulassen. Leider gibt es da oben keine Bewirtung, so dass die Hütte wirklich nur  Wanderern als Nachtlager dient. Von dieser Hütte geht ein Pfad weiter nach Kvinen. Allerdings ist man bei dieser Tour ca. 8 Stunden auf den Beinen. In der Nähe der Lakkenstova befindet sich der südlichste Berggipfel in Norwegen mit über 1000 m Höhe. 

Die ersten 2 km des Aufstiegs sind nicht wirklich ein Wanderweg. Wir Zwei- und Vierbeiner haben uns durch Gestrüpp geschlagen, große Schlammlöcher umkrakselt und sind über jede Menge Steine gestolpert. Dieser „Weg“ ist wirklich nicht rühmlich für den norwegischen Touristenverband. Doch wir glauben, dass die Norweger es nicht so eng sehen.

Nachdem wir einen Zaun durch ein kleines Gattertor durchquert hatten, ging es steil bergauf. Der folgende  Pfad war nicht besser, aber durch weniger Gestrüpp waren die Schritte mehr vorhersehbar und damit wurde der Weg sicherer für uns. Jeder Schritt musste wohl durchdacht sein. Ein Blick in die Landschaft hätte mit einem Fehltritt und dem Aus unserer Wanderung verbunden sein können. So gönnten wir uns immer wieder kleinere Pausen, um die Landschaft in ihrer Vielfältigkeit und Schönheit zu bewundern. Das was wir da sahen war wirklich atemberaubend schön. Felsen, in unterschiedlichsten Formen und Größen, Wasser in allen erdenklichen Wegen bergab. Es gab unzählige kleine Tümpel, Bächlein, Wasserfälle, Flüsschen und glasklare Bergseen. Nirgendwo sah etwas gleich aus. Alles war einmalig.

Auch Schnee gab es gelegentlich noch an den schattigen Hängen. Unsere Aussies waren überglücklich, endlich wieder den geliebten Winter zu haben. Sie rollten sich auf den Schneefeldern hin und her - spielten regelrecht verrückt!


Sie waren in ihrer Welt - sprangen vergnügt durch die Gegend. Jedes Wasser wurde beschnuppert, Anouk ging waten und Thyra schwamm vergnüglich darin. Neele transformierte regelrecht zu einem Wassertank. Von jedem Wasser wurde getrunken, immer nach dem Motto:" Dieses schmeckt bestimmt noch besser als das Vorherige“.


Wir hatten uns unser Lunchpaket geschmiert und ruhten an einem sehr schönen Plätzchen in der Sonne. Ein kleines Bad nahmen wir auch. Es war Wohlfühlatmosphäre pur!


Dann ging es weiter. Nach 3 Stunden hatten wir die Lakkenstova erreicht. Mitten in einem kleinen Tal, umspielt von Wasser und umlaufen von Schafen.


Auf dem Rückweg machten wir Rast an einem der großen Bergseen. Schwimmen war angesagt. Glasklares Wasser aber eisig kalt, denn am Rande war ein großes Schneefeld. Nach dieser stundenlangen Wanderung war es erholsam, sich ins kühle Nass zu stürzen. Na, ja Ralf stürzte sich in die Fluten und Liane ging sehr, sehr langsam und tief durchatmend hinein, um ein paar Schwimmzüge zu machen.

Erfrischt und mit neuem Schwung marschierten wir den Weg zurück. Am Auto angekommen, schnell zu Abkühlung alle Türen auf, die Hundebande rein und ab nach Hause.

Von Anouk, Neele und Thyra hörten wir auf der gesamten Rückfahrt keinen Laut. Die Drei waren ja mindestens das Zehnfache von dem gelaufen, was wir absolviert hatten.



Wir waren zwar geschafft von unserer Wandertour, doch es war ein tolles Erlebnis für uns alle.

Wenn es dir gelingt, die innere Ruhe zu erobern, so hast du mehr getan als derjenige, der Städte und ganze Reiche erobert hat.

   

                                                                                Michel de Montaigne

 


 

06.07. 2012

 

Auf der blauen Fährte

 

Heute hatten wir uns viel vorgenommen.

 

 

Åseral hatte uns vor 2 Tagen begeistert und so wollten wir eine Tagestour auf der Hochebene wagen.

 

Wir starteten pünktlich um 09:00 Uhr. An alles war gedacht. Die „Stullen“ geschmiert, den Rotwein sicher umgefüllt, kleine Leckerlis für unsere Hundedamen, Wechselsachen und Regenklamotten, ... der Rucksack hatte keinen Zentimeter mehr Platz.

Wir orientierten uns wieder an der Liftstation Alpinsenter Åseral. Dort waren 3 Wanderrouten mit unterschiedlichen Farben ausgezeichnet. Immer der Nase nach und steil bergan, hatten alle 3 Routen zunächst den selben Weg. Nach ca. 2 km auf der Hochebene ging die rote Markierung nach links über einen großen See. Die weiße und blaue Markierung ging weiter gerade aus. Wir gingen gerade aus weiter, denn so hatten wir 2 Möglichkeiten zu wählen. Der Weg war sehr aufgeweicht vom Regen in der letzten Nacht und wir konnten froh sein unsere festen Wanderschuhe an den Füßen zu haben.

Unsere 3 Minis fanden den Weg phantastisch. Jede Pfütze wurde durchwatet und an jedem Schlammloch gerochen.

 

Doch plötzlich wurde es sehr unwegsam. Es war nur noch eine blaue Markierung erkennbar, die Weiße war verschwunden. Hatten wir eventuell eine Abzweigung übersehen?. Weiter vorn sah es so aus als führte der Weg weiter allerdings in ein dichtes Gebüsch. Da war kein weiterkommen. So blieb uns nichts anderes übrig, als der blauen Fährte zu folgen.

 

Aber von einem richtigen Wanderweg konnte man hier auch nicht sprechen, jedenfalls nicht so, wie wir es aus Deutschland kennen. Tja, die Norweger wandern wohl mehr „natürlich“, über Stock und Stein und durch dichtes Gebüsch. Nach einem sehr anstrengenden unwegsamen Aufstieg erreichten wir das Plateau. Von hier oben hatte man eine herrliche Aussicht in die Umgebung. Heute hatten wir uns s auch ein „Freßpaket" eingepackt und so suchten wir uns eine windgeschützte Ecke und verspeisten unsere Stullen mit Leberwurst und

tranken eine guten Schluck selbstgemachten Rotwein.

Was braucht man mehr zum glücklich sein !!!

 

Nach unserer Brotmahlzeit ging es wieder ab ins Tal.

Alle ins Auto und stracks nach Hause zu unseren anderen Vierbeinern.

 

Es gibt nichts, das so absolut ist wie Zeit und nichts, das so relativ ist wie ihre Dauer.                                                                                          Josef Bordat

 

 

 

 

05.07. 2012


Auf nach Hovden

 

Heute ist unser dritter Urlaubstag und wir haben einen Ausflug nach Hovden auf dem Plan. 

 

Die Anreise ist relativ lang. Von Espetveit aus sind es 170 km, was etwa drei Stunden bei normalem Autoverkehr bedeutet.

 

Die Fahrt durch das Setesdal ist wunderschön. Nach jeder großen Kurve gibt es eine neue Postkartenlandschaft. Lange Weile kommt nie auf und für den Fahrer ist es zuweilen schwer nicht vom Verkehr abgelenkt zu werden. Die Straßen sind oft schlecht und viel zu schmal, Verhältnisse die volle Konzentration erfordern.

 

Das viele Geschunkel und auf und ab ist unserer Thyra nicht bekommen. Sie hat sich ein paar Mal übergeben müssen. Es gab aufgrund der geplanten Reise kein Frühstück für unsere drei Minis, da wir Übelkeit und Erbrechen vorbeugen wollten. Unsere Thyra hat immer großen Hunger und so hat sie sich heimlich einen „Pferdeapfel“ gegönnt, der dann prompt reture kam.

Ausser dieser kleinen Extratour von Thyra waren unsere drei Hündinnen lieb. Sie fühlen sich rundum wohl in ihrem Hundeabteil. Es ist gut so, dass die drei direkt hinter uns sind und nicht in so einem Kofferraumkäfig. Dadurch hat man immer die Kontrolle und kann gleich reagieren, wenn mal was Unerwartetes passiert. Wir haben einen für Norwegen typischen „SUV“ mit Gittertrennwand hinter den vorderen Sitzen. Den riesigen Laderaum haben wir einfach geteilt und in der Mitte eine weitere Trennwand eingebaut. Dadurch haben die Hunde hinter uns ihr Abteil und erst zum Schluss kommt das Gepäck. Das ist eine

super Lösung. Sie sind isoliert und sicher während der Fahrt, haben aber dennoch direkt Kontakt zu uns.

 

Nach ein paar Zwischenstopps waren wir mittags in Hovden angekommen. Für die Hochsaison war es ungewöhnlich ruhig, es waren kaum Menschen unterwegs. Schnell fanden wir einen Parkplatz und dann ging es auf nach ganz oben. Unser Ziel war die Bergstation des Sesselliftes. Der Lift war in Betrieb – also war da oben was los.

 

Los ging’s – aber welchen Weg nehmen? Liane sah plötzlich einen kleinen Holzsteg im Birkendickicht. Ralf meinte zunächst, das führt zu einem Klo oder so ähnlich. Aber nein – es war das Ende der „Downhill – Strecke“!

Was Fahrradfahrern bergrunter möglich ist, sollte uns bergauf hervorragend gelingen.

 

So war es auch! Der Weg war prima und wegen der Regentage im Vorfeld völlig ohne Gegenverkehr. Nachdem wir etwa 400 Höhenmeter gemeistert hatten kamen wir auf Schneefelder. Unsere Hunde waren total aus dem Häuschen. Schnee! Schnee!! Endlich ist es wieder Winter…….! Wir haben sie von der Leine gelöst und sie sind auf und davon. Zusammen im Schnee getobt wie wild, Purzelbäume geschlagen und sich beim Bergabrutschen das Fell gerubbelt. Es war so schön anzusehen. Wenn man darüber nachdenkt, ist der Winter ja auch wirklich viel besser, als ein so blöder verregneter Sommer mit Myriaden von Insekten.

 

Nach dieser Schneeeinlage ging es weiter nach oben. Oben wartete ja die Bergstation sicher mit einem Cafe oder kleinem Restaurant. Wir freuten uns schon auf ein Würstchen mit Brot und ein Pils, wenn es auch teuer sein würde. Endlich angekommen, Sonnenschein, super Aussicht, schöne Fotomotive aber kein Cafe oder Restaurant. Da war nichts, wirklich nichts!! Wir waren richtig enttäuscht.

 

Also ging es hungrig und durstig wieder runter. Der Weg war steil. Schnell war die Muskulatur fest, hielt aber bis ins Tal. Wir hatten ja schon geübt, was heute sehr wichtig war.

 

Die Hundemädels waren happy, als sich ihnen ihr Abteil im Auto öffnete. Sie schliefen recht schnell ein.

Wir sind dann ins Zentrum gefahren, um dort eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Große Erwartungen hatten wir nicht. Wir hätten uns mit einer klitzekleinen Imbißstube zufrieden gegeben. Plötzlich war da ein kleines Restaurant….na ja, ganz sauber und jedenfalls nicht ausladend. Wir haben, getrieben von Hunger und Durst alle Skepsis beiseite gelassen, sind rein und haben bestellt. Das Essen war super! Es war nicht im „Mikro“ gemacht, sondern echt „hand made“ und noch dazu zu einem vernünftigen Preis. Ralf hat selten so gut Fisch gegessen – war echt von den Socken. Liane war mit ihren norwegischen Grillwürstchen und Pommes auch zufrieden. Wir konnten sogar draußen sitzen. Es hatte etwas Surrealistisches!

Unsere Hundis mußten leider darben, denn wegen Thyras „Unwohlsein“ bekamen sie nichts, sondern mussten warten bis wir wieder zu Hause waren. Das waren wir dann gegen 18.30 Uhr.

 

Alle raus aus dem Auto und dann gab es für die drei Mädels erst einmal ein gutes Stück Trockenfisch. Die Lämmer bekamen Milch und die Pferde Kraftfutter. Für die Menschen danach erst einmal einen Sprung in unseren Badeteich neben dem Haus und eine Runde Schwimmen.

 

Zuletzt saßen wir in der Abendsonne bei Salat und selbst gemachten Himbeerwein.

 

Der Sommer ist eigentlich doch ganz gut – wenn er sich von seiner guten Seite zeigt!

Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können.

                                                      

                                                                                                 Mark Aurel

 


 

 

04.07. 2012

 

Eikerapen

 

„Alpinsenter“ 

Åseral 

 

 

 

 

Wir sind nach der morgendlichen Versorgung unserer Tiere mit den Hunden zur nächsten Tour aufgebrochen.

 

Es regnete natürlich, und das nicht zu knapp. Ein Sprichwort sagt aber: „Det finnes ikke dårlig vær, kun dårlige klær!“…... was auf Deutsch heißt:” Es gibt kein Schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“.

So packten wir die Regensachen ein und fuhren los in die Berge.

Von Espetveit aus kann man in gut einer Stunde viele Sehenswürdigkeiten und Naturspektakel erreichen.

In der Vergangenheit hatten wir aber meist zu viel zu tun.

Wir haben die Erkundigungen verschoben. Jetzt haben wir auf Espetveit alles fertig.

 

Egal wie viel es regnete, auf ging es unsere Umgebung zu erkunden.

Wenn man im Auto sitzt, ist der Regen ja gut auszuhalten.

Wir fuhren Richtung Åseral und dann nach rechts kurz vor Åseral zum „Alpinsenter“ . Es sind bis dahin 67 km und man braucht ca 1 Stunde mit dem Auto.

Es ist ein typisches Hüttengebiet, sehr schön anzusehen und im Winter für uns, die nächstgelegene Möglichkeit Abfahrtski zu betreiben.

 

Wir entschlossen uns, die Abfahrtstsrecke hoch zu laufen.

Getan wie gesagt, auf ging`s. Solange man nicht scharf bergauf laufen muss sind die Regenklamotten auch toll. Aber wehe es wird anstrengend und das Thermostat mitten in Herz und Lunge, fängt bei der hohen Luftfeuchtigkeit an zu arbeiten. Für Ralf steht dann immer die Frage, ist es besser vom Regen oder vom Schweiß klitschnass zu sein.

 

Wir sind mutig hoch marschiert. Die Felsen waren feucht und glatt, aber nicht zu rutschig. Es ging immer weiter in die Höhe.

Trotz Schneekanonen ist die Landschaft nicht verdorben. Nichts wirkte kaputt gemacht. Neben dem Abfahrtshang sucht sich im Sommer ein kräftiger Gebirgsbach seinen Weg ins Tal. Ganz oben angekommen wurden wir für unseren Tatendrang belohnt. Da war plötzlich in großer Höhe ein kilometerlanger See von Laubwäldern umgeben. Alls war sattgrün – einfach atemberaubend schön. Zu allem Glück gab es auch noch einen schönen Wanderweg um den See. Wir konnten ihn nur ausprobieren und nicht zu Ende gehen. Darauf waren wir heute nicht eingerichtet.

Der Weg zurück nach unten war nicht unbedingt leichter. Die Felsen waren so glatt, das jeder Schritt gut gesetzt sein musste.

 

Zurück am Auto gab es für alle mitgebrachte, selbstgebackene Brötchen mit Leberwurst. Danach sind wir alle ins Auto und es ging zurück nach Espetveit.

Hier angekommen,... Sonne pur!! Also Tiere füttern,... Grill anschmeißen, … auf der Terrasse sitzen und in echter Wohlfühlatmosphäre den Sonnenuntergang genießen.

 

Es war für uns alle ein sehr schöner Tag.

Wir freuen uns auf den Morgigen. 

 

Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind.

                                                                                                                                                                                                                     Samuel Johnson

 

  

 

03.07. 2012

 

Raus in die

große weite Welt

zum Reiårsfossen

 

 

Wir haben Urlaub.  

 

Die Vorzeichen waren überhaupt nicht gut.

 

Es regnete seit Tagen.

 

Der ganze Sommer war bisher eine einzige Katastrophe. 

 

Sonne gab es nur wenig aber dafür massenhaft „Knott“!

Knott heißen hier kleine Kriebelmücken

Die Biester machen Mensch und Tier das Leben schwer. 

Wir waren bereits halb Acht aufgestanden und hatten Pferde und Schafe versorgt. Ein kleines Frühstück reichte uns, so dass wir voller Tatendrang nach draußen gingen, um ein wenig zu arbeiten.

Liane hat mit der Motorsense die Rabatten gestresst und Ralf die Kreissäge an den Traktor montiert und Holz gesägt. Eine gute Stunde haben wir tapfer durchgehalten. „Autan Spray“ hat eine Weile geholfen aber irgendwann wird das Ganze mit diesen Mücken eine Nervensache. Es hilft nur eines um den Insekten zu entfliehen, ... alles abgebrechen und ins Haus flüchten. Beim zweiten Frühstück kam uns eine gute Idee. Wir hauen einfach ab aus dem Mückentumult!

 

Getan wie gedacht - unsere drei Hunde ins Auto und auf nach Evje. Da haben wir unsere beiden kleinen "Schulmädchen" Neele und Thyra zunächst mit einem Spaziergang durch die Menschenmassen gestresst. Die zwei Kleinen müssen mehr "sozialisiert" werden, um in Zukunft gesellschaftsfähig zu werden. Da wir nicht so viel Publikumsverkehr hier auf Espetveit haben, müssen wir uns das Publikum suchen und zwar in der Stadt. Neele fremdelt zur Zeit sehr und hat sich bereits an einem Handwerker probiert, ... von hinten ran und in die Hacken gezwackt! Das ist nicht gut und so sind wir im Zugzwang, etwas zu unternehmen.

Unsere beiden  Hundemädels müssen lernen, dass die Welt nicht nur aus Espetveit besteht und es noch viele andere Menschen gibt, die darin leben und das auch dürfen, ohne dass gleich ein kleiner Mini Aussie kommt und in die Hacken beißt.

 

Unsere beiden Kleinen haben es richtig gut gemacht mit dem Spaziergang durch Evje und für unsere drei Jahre alte Anouk ist das sowieso kein Problem mehr.

In Evje gab es keine Knott. Es regnete aber auch dort.

 

Okay – viel Regen bedeutet eine Masse Wasser für einen Wasserfall. Also entschlossen wir uns, zum Reiårsfossen zu fahren. Er liegt ganz in der Nähe weiter oben im Setesdal. Normal ist er im Sommer "zu schlapp" und keine Reise wert. Jetzt hatte es aber reichlich geschüttet. Wir durften ein richtiges Naturschauspiel erwarten.

 

Nach einer Stunde Autofahrt (67 km von Espetveit) waren wir vor Ort, in Ose. Zunächst gingen wir den falschen Waldweg hinauf. Na ja - eben eine halben Stunde umsonst marschiert. Dann aber fanden wir den richtigen Weg und waren nach etwa drei Kilometern steil Berg auf oben am Reiårsfossen.

 

Wir wurden für unseren Unternehmungsgeist belohnt. Es regnete nicht mehr und sah fast so aus, als wollte die Sonne kurz durch die Wolken.

Die letzten 500 m hatten es in sich. An einigen Stellen waren wir direkt neben dem Wasserfall. Da ging es kerzengerade 200 Meter runter. Überall waren da schleimig glatte Baumwurzeln. Wir mussten höllisch aufpassen. Für ältere Leutchen die gegen die 60 Lenze gehen, mit aktiven Hunden an der Leine, in so einem Terrain.....uff!

Es ging aber alles gut. Wir konnten sogar ein paar sehr schöne Bilder machen.

 

Es war ein gelungener Ausflug. Für die beiden jungen Hundemädels war es sehr anstrengend. Sie mussten andauern irgendwelche Anordnungen erfüllen – eben aufs Wort hören. Liane hat diesen Stress übernommen. Ralf hatte die „alte“ Anouk an der Leine. Das war viel gemütlicher!

Nach etwa sieben Kilometern Wanderung wieder am Auto angekommen, wollten unsere Hundemädels sofort in die gemütliche Koje. Die Rückfahrt war unproblematisch. Alle waren kaputt und dachten nur an zu Hause und eine gute Mahlzeit.

 

In Norwegen unterwegs einzukehren kann man vergessen. Es findet sich nicht so einfach ein gutes Lokal. Deshalb sind Norweger immer mit einem "Matpakke" unterwegs, wenn sie auf Tagestour gehen.

Verpflegung hatten wir nicht dabei und so fuhren wir schnurstracks heim.

 

Es war ein schöner Ausflug! 

 

Eine Reise gleicht einem Spiel.
Es ist immer etwas Gewinn und Verlust dabei - meist von der unerwarteten Seite.

 

                                                                   Johann Wolfgang von Goethe