30.08. 2012 Der Hafer ist gemäht

 

Vor 2 Tagen bekamen wir einen Anruf vom Bauern aus Hornnes. Das Wetter war gut und er hatte den Hafer zum Teil gemäht. Wir könnten ca. 150 Ballen Stroh holen. Aufatmen - es gibt nicht wieder so ein Versorgungsproblem wie im letzten Jahr.

 

Es hatte den ganzen Tag wie verrückt geregnet. Gerade als der Bauer anrief, ging der Himmel auf. Liane war von der Arbeit nach Hause gekommen. Wir haben uns noch einen Kaffee gegönnt und danach schnell in die Arbeitsklamotten und guter Dinge ans Werk. Ralf ist mit seinem Hinkebein auf Krücken losmarschiert und hat den Pferdehänger ans Auto gehängt. Da unser großes Auto mit einem Automatikgetriebe ausgestattet ist und Ralf das linke Bein gebrochen hat, konnte er glücklicherweise fahren. Das riesige Gespann liegt Liane nicht besonders.

 

Alle Hunde kamen mit an Bord und los ging es nach Hornnes.  Anouk, Neele und Thyra waren zufrieden mit von der Partie zu sein. Sie saßen brav in ihrem „Hundeabteil“ und harrten ganz lieb aus, während wir mit dem Stroheinladen beschäftigt waren.

 

Die Arbeit war einfach zu teilen. Jeder machte das, was er konnte. Ralf fuhr den Jeep mit Pferdehänger. Liane wuchtete die Strohballen hinein. Diese Art von Fitnesstraining kann man nur empfehlen. Jeder Ballen wiegt etwa dreißig Kilogramm. Alle Muskeln werden beansprucht und mit der Erwartung von neuem Regen kommt Eile auf. Wir mußten schließlich mehrmals fahren. Die Pausen wurden immer kürzer. Man kommt so auf ein hohes Tempo in der Wiederholung der "Hebeübungen".

 

Jetzt haben wir 163 Ballen mit Haferstroh unten im Schafstall liegen. Die Ballen müssen wir nur noch auf den Heuboden über dem Schafstall ziehen. Aber das hat Zeit und dafür gibt es auch eine Seilwinde. 

 

Unsere Pferde Szindi und Bandy kauten inzwischen genüsslich das erste Stroh. Sie haben auch nichts aufgespart. Der erste Ballen mit frischem Haferstroh ist in 2 Tagen verschlungen worden. Die Pferde sind richtig heiß auf Haferstoh. Die Beiden können zurzeit mal wieder nicht auf ihre geliebte Koppel. Es regnet täglich, gestern ca. 45 ml/m2und in der letzten Nacht gab es einen regelrechten „Wolkenbruch“ mit Donner und Blitz.

 

 

Sonnenschein ist köstlich, Regen erfrischt, Wind kräftigt, Schnee erheitert.
Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur verschiedene Arten von gutem.

                                                                                  

                                                                                             John Ruskin

 

 

 

23.08. 2012 Summ, summ, summ, Bienchen summ herum

 

Wir waren auf dem Rückweg vom See, unserem alltäglicher Spaziergang mit unseren Minis. Zum See und wieder zurück dürfen Anouk, Neele und Thyra frei laufen. Sie toben wie wild durch den Wald , über Wasser und Fels und laufen die Strecke sicher 3-4 mal. Angekommen am See geht Anouk baden, Thyra schwimmen und Neele plantschen. Es war schönes Wetter und auf dem Rückweg ging es nochmals über Stock und Stein. Die Drei waren etwas abseits des Weges und plötzlich kamen sie wie wild zurück. Unsere Neele , die eigentlich ihr Schwänzchen immer auf dem Rücken trägt, hatte den Schwanz zwischen die Hinterbeine geklemmt und lief keinen halben Meter von uns, fast mit Beinkontakt. Thyra setzte sich vor uns hin und wollte nicht weiter. Sie pinste ständig und erst nach mehreren Aufforderungen, setzte sie sich in Gang und folgte uns. Anouk lief wie der Blitz aus dem Wald und wartete unten am Weg vor der Wiese auf uns. Die Drei verhielten sich merkwürdig. Auf der Wiese angekommen liefen sie sofort zum Haus und durch die Hundeklappe ins Haus. Wir wussten nicht was los war.

Anouk knabberte ständig an ihrem Schwanz und beim Nachschauen sahen wir die Bescherung. Im Fell saß eine Biene, die sich im Fell verfangen hatte. Schnell das Biest entfernt und Anouk gab Ruhe. Auch Neele leckte sich ständig in der Leiste und hier fanden wir den Stachel einer Biene, den wir vorsichtig entfernten. Und nun zu Thyra. Sie hatte sich mal wieder eine dicke Lippe eingefangen. Unsere drei Minis waren wahrscheinlich bei ihrem Tobegang auf dem Rückweg vom See in einen Schwarm von Wildbienen geraten. Jede von ihnen hatte die Bienen zu spüren bekommen. Anouk wurde in den Schwanz gestochen, Neele in die Leiste und Thyra hatte wohl mal wieder den Kopf zu nahe an der Gefahr. Sie bekam einen Bienenstich in die kleine Schnute. Vielleicht wollten die drei das Nest räubern und bekamen ihre gerechte Strafe!?

 

Tja, was man so alles erleben kann, wenn man frei durch die Natur springt. Es ist schön frei zu sein, aber nicht immer ungefährlich. Alles in allem ist es glimpflich für unsere Mini Aussies Mädchen ausgegangen. Sie hatten großes Glück, dass sie so schnell davon gekommen sind und die Bienen von ihnen abgelassen haben. Na, ja hoffentlich haben die Drei auch etwas dabei gelernt und meiden diese "wehrfähigen Flugobjekte" in Zukunft.

 

Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.

 

                                                                                     Philip Rosenthal

 


 

19.08. 2012

 

Rettung in

letzter Not

 

Der August scheint ein Problemmonat zu sein. 


Wir hatten die gesamte Herde auf die Weide vor unserem Haus umgesetzt, da ein Wolf in unserer Nähe sein Unwesen treibt. Sollte Meister Isegrimm der Herde zu nahe kommen, startet diese bestimmt ein lautes Geblöke und wir können entsprechend reagieren. Weiter ab von unserem Haus liegt ein Berg dazwischen und wie es die letzten Ereignisse zeigten, hört man von dort nichts wenn Gefahr droht.

  

Beim Gang über die Wiese entdeckten wir Würmer im Stuhl und so planten wir alle Schafe in den Ferch zu treiben und mit einem neuen Wurmmittel zu entwurmen. Die gesamte Herde hatten ja vor ca 6 Wochen eine prophylaktische Wurmkur erhalten, aber leider haben die Schafe sich neu infiziert. Möglicherweise sind die Würmer gegen das alte Mittel resistent.

Also brachten wir alle wieder zurück auf die Weide hinter dem Berg und anschließend in den Pferch. In gemeinsamer Arbeit mit unserem Ferienbesuch, den  4 Schneegänsen, bekamen die erwachsenen Schafe und auch alle Lämmer das neune Wurmmittel "Ivomec". Unser Tierarzt hatte es rezeptiert. Hoffentlich hilft es auch.

 

Und wie es immer so ist, kommt ein Unglück selten allein. 

 

Nachdem die schlimmsten Plagegeister, die Kriebelmücken, weniger werden, kommen massenhaft Fliegen.

Eine bestimmte Art greift auch die Schafe an, meist Lämmer mit Durchfall. Dieses Problem hatten wir bereits vor zwei Jahren, verbunden mit einer Menge Arbeit. Die armen Lämmer werden vom Schwanzansatz her regelrecht aufgefressen. Sie haben ohne Hilfe keine Chance. Nach spätestens 14 Tagen sterben sie unbehandelt. Zwei unserer Lämmer hatte es wieder einmal erwischt. Es ist unser Thommy und Dieter, eines der Drillinge von Marie. Nicht nur, dass sie Maden im Fell hatten, sie sind auch welche von denen, die auch noch Bandwürmer im Kot haben. Die letzteren waren sicher der Grund für den Durchfall. Dadurch wird das Fell schmutzig und das ist die Aufforderung für die Stechfliegen anzugreifen. Sie legen ihre Eier ab und innerhalb kurzer Zeit hat das Tier ein riesiges Problem.

 

Ralf ist ja nach wie vor außer Gefecht gesetzt. Er kann nicht helfen, bestenfalls beraten.

Thommy und Dieter wurden teil-rasiert, gebadet und desinfiziert. Sie stehen jetzt für eine Woche isoliert im Stall und werden täglich gewaschen und gut versorgt. In einer Woche bekommt der gesamte Bestand nochmals Wurmmittel. Dann können auch unsere beiden Lämmer sicherlich wieder zur Herde. Die beiden jammern natürlich schrecklich und rufen den ganzen Tag:“Maaa, maaaa“. Mama kann aber nicht zu ihnen. Quetschi und Marie suchen ihre Jungs auf der Weide und rufen ebenfalls laut nach ihnen. Was für ein Theater! Es geht aber nur so.

 

Die Tatsache, dass unsere Weiden regelmäßig von Rehen, Elchen und Füchsen besucht werden schafft natürlich Probleme mit Parasiten. Trotz Prophylaxe mit Wurmmitteln und Weidehygiene gibt es immer wieder Sorgen. Auch die Tatsache, dass wir vier Weideflächen haben und regelmäßig umsetzten hilft da wenig.

 

Es war trotzdem ein herrlicher Sonntag bei sehr angenehmen Temperaturen. Nach getaner Arbeit haben wir oben auf unserem Hausberg ein Lagerfeuer errichtet. Wir haben Würstchen und Stockbrot im Feuer bereitet. Dazu gab es gut gekühlte Getränke und einen Selbstgemachten Himbeerwein. Die Kinder waren total aus dem Häuschen, auch ein wenig übermütig. Unser jüngste Neffe, Robin, hat sich leider in seiner Umtriebigkeit in den Daumen geschnitten. Zum Glück nur oberflächlich.


Auch Ralf kam auf Krücken den Berg hoch und hat sich die Party am Lagerfeuer nicht entgehen lassen.

Alle fünf Hunde spielten vergnügt miteinander. Da waren unsere drei Mini Aussies und die beiden Chihuahua Fips und Kelly. Bald gesellten sich einige neugierige Lämmer hinzu. Die Böckchen ließen sich nicht mehr von den Hunden vertreiben. Sie waren jetzt schon groß genug und stellten sich dem Kampf. Es war niedlich anzusehen: Chihuahua gegen Lammbock! Wir hatten viel Spaß miteinander an einem aufregenden und wundervollen Tag.

 

Wir würden viel Frieden haben, wenn wir uns nicht so viel mit dem, was andere reden und tun, beschäftigen würden, was uns doch gar nichts angeht.

                                                                                

                                                                                        Thomas a Kempis 

 

 

17.08. 2012 Meister Isegrimm streift herum 


Eigentlich ist ein Wolf in Norwegen nichts Besonderes. Er wird auch nicht unbedingt gejagt. Man versucht, die Raubtiere normalerweise in Ruhe zu lassen. Es gibt gelegentlich Verluste durch Luchse und Wölfe bei den Schafherden, die im Gebirge auf der Sommerwiese weiden. Das hält sich aber in Grenzen. Die Verluste gleicht der Staat den Bauern aus. Am Ende also eine Heile Welt. Anders jedoch ist es, wenn die Wölfe weiter runter ins Land ziehen und mordlustig töten. Unser Gebiet ist als Weideland deklariert und entsprechend sollte es "wolffrei" sein. 

 

Die Schafherde eines Nachbarn hat es aktuell erwischt. Sie war auf einer sogenannten „Innmarksbeite“, was eingezäunte Wiese bedeutet. Es ist dennoch ein großes, unübersichtliches Gebiet und nicht mit einer kleinen Wiese zu vergleichen, wie man es aus Deutschland kennt. Ein Wolf kann da in Ruhe auf Jagt gehen, ohne bemerkt zu werden. Die Schafe bekommen allerdings eine Glocke um den Hals. Wenn die Herde unruhig wird und ein Mensch in der Nähe ist, wird er aufmerksam auf den Jäger. So war es auch dieses Mal. Der Bauer kam aber zu spät. Der Wolf hatte drei Lämmer verletzt. 

 

Wir wurden von der Landwirtschaftsverwaltung angerufen und davon in Kenntnis gesetzt. Man hatte behördlicherseits die Jagd auf den Wolf freigegeben und bereits eröffnet. Mit unserem Einverstaendnis wurde auf unser Gebeit eine mit Jagdgewehr ausgestattete Polizeiwache geschickt, um über Nacht die Wiese im Auge zu behalten und den Wolf eventuell zu strecken.

 

 Bis jetzt läuft der Wolf noch frei herum. Ihn im Sommer zu erlegen, ist ein schwieriges Unterfangen. Da suchen die Jäger die Nadel im Heuhaufen.

Wir sind auf Nummer sicher gegangen und haben unsere Schafherde auf die Wiese in der Nähe unseres Wohnhauses geholt. Der Wolf müsste über mehrere Zäune, auch elektrische, um zu ihnen zu gelangen. Wir hoffe er tut es nicht und zieht zufrieden seiner Wege. Dann wird sich alles wieder beruhigen. Auch der „Politimann“ kann dann wieder seiner normalen Arbeit nachgehen. So ein wildes Tier macht inmitten der Zivilisation viel Wind, vor allem scheucht es alle schießwütigen Jäger auf. In der Öffentlichkeit gibt viele Debatten, um Sinn und Unsinn diese Räuber zu töten.

 

Wir sind der Meinung, dass man es nicht tun sollte. Es ist sicher das Beste, so gut wie möglich auf die Weidetiere aufzupassen. Wenn wirklich einmal etwas passiert, ist es unser Tribut an die wilde Natur. Immerhin erleidet in Norwegen durch Raubtierriss niemand ökonomischen Schaden. Vater Staat schafft Ausgleich und das ist nicht nur sehr vernünftig, sondern auch sehr großzügig.

 

Das ist das schlimmste von allen Übeln, im Vergangenen herumzugrübeln.

                                                                         

                                                                          Cäsar Otto Hugo Flaischlen

 

 

 


11.08. 2012

  

Das letzte Heu

wird eingefahren 

 

 



Die Heuernte war in diesem Jahr eine echte Herausforderung.


Normalerweise geht sie bis Mitte Juli über die Bühne.

Der Sommer war aber bisher sehr feucht und kalt. Es kam zu erheblichen Verzögerungen.Wir haben in drei Schritten geerntet und erst heute am 11. August, konnte das letzte Heu auf den Boden.


Gemäht hatte Liane bereits am letzten Sonnabend. Sechs Stunden hat sie gebraucht und kurz vor dem Schluss ging zu allem Unglück auch noch der Balkenmäher kaputt. Für den Rest der Wiese musste unser Rasentraktor herhalten. Stehen lassen konnten wir das wertvolle Gras schließlich nicht!

Am Sonntag wurde alles auf Reihe gelegt. Am Montag kam nochmals kräftiger Regen mit 45 mm/qm, so dass wir schon dachten, die ganze Arbeit war umsonst.

Doch dann kam die Sonne!!!

Es gab in der Tat ein paar Tage richtigen Sommer, mit Temperaturen um 25 °C und sehr angenehmen Wind.

 

Unsere Gäste aus Bayern haben in diesem Jahr "Aktivferien" gebucht. Sie mussten mit ran und bei der Heuernte helfen. Sie taten es aber sehr gerne!

 

Bevor es losging, gab es auf der Sonnenterrasse anstatt Frühstück einen typisch norwegischen Lunch, nämlich frische Reker mit Salat und Mayonnaise. Die Reker sind in diesem Sommer astronomisch teuer, da sie knapp sind. Ein Kilo kostet ca. 30.-€. Das ist ganz schön verrückt. Es  bedarf da eines guten Weines, um diesen herben Beigeschmack hinunterzuspülen.

 

Nach dem Lunch holten wir zunächst den Holder wieder zurück. Der kleine Kerl stand nach wie vor an dem Unglücksort von vor 14 Tagen und wartete geduldig, dass er endlich nach Hause geholt wird. Außerdem wurde er heute für die Heuernte gebraucht.

 

Gegen 15.00 Uhr legten wir dann los. Für unsere beiden Neffen, Carlo und Robin, war es natürlich ein tolles Erlebnis. Sie durften ab und an ein wenig Traktor fahren und natürlich auf dem Anhänger im Heu herumtollen. Es ging relativ zügig von der Hand, denn: „Viele Hände bereiten der Arbeit schnell ein Ende".


Für Ralf mit Gipsbein, war es sehr langweilig. Er war auf die Terrasse verbannt und zum Zuschauen verurteilt.

 

Nach getaner Arbeit gab es für alle gutes Essen vom Grill. Liane hatte Kartoffelgratin gemacht und dazu einen norwegischen Sommerbraten, eine Art Kasslern, gegrillt. Es hat allen sehr gut geschmeckt.

 

So langsam machte sich bei uns große Zufriedenheit breit. Die Heuernte war in diesem Jahr ein langes Unterfangen mit Bangen gewesen. Wegen der hohen Niederschlagsmengen war sie jedoch mehr als reichlich ausgefallen. Unser Speicher über dem Schafstall ist derzeit randvoll. Das Heu liegt aber locker und kann gut nachtrocknen. Wenn in ein paar Tagen das Haferstoh kommt müssen wir Platz schaffen und es komprimieren.

 

Krankheiten, besonders langwierige, sind Lehrjahre der Lebenskunst und der Gemütsbildung.

                                                                                                       Novalis