29.11. 2011 Totenstille 

 

  Ylva ist nicht mehr unter uns. 

 

Unser Leben hat sich verändert.

 

Wir können es nach wie vor nicht glauben. Man meint, jeden Augenblick kommt sie um die Ecke gesprungen und der Alptraum hat eine Ende.

 

Doch es wird nicht so sein, wir müssen realistisch sein,... sie wird nie wieder mit uns durch die Wälder ziehen, unseren Lämmern eine gute Ziehmutter sein, mit Szindi und Bandy zusammen auf der Koppel toben, mit ihrer Schwester Anouk auf Erkundungstour gehen , Co-Pilot im Auto sein, mit treuherzigen Augen bettelnd neben uns stehen, uns hin und wieder mit ihrer Penetranz nerven oder einfach nur bei uns sein.

 

Wenn wir zurückschauen, so wissen wir im Nachhinein, dass sie bereits am 19.11. erste Symptome ihrer Erkrankung zeigte. Sie erbrach in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag massiv und wir dachten einfach, dass sie wahrscheinlich irgend etwas Ungenießbares im Wald gefunden und herunter geschlungen hatte. Nun gut, am Sonntag und auch Montag danach war sie ganz die Alte, völlig unauffällig. Getobt, gekämpft, über die Wiesen geflitzt und den Wald nach Unentdecktem durchsucht, ... so wie sie eben war . Ruhig und bedacht, aber immer eine Idee im Kopf.

Ging es ums Fressen, so war nie genug im Napf und selbst ihre Schwester Anouk wurde beobachtet, ob nicht vielleicht etwas im schwesterlichen Fressnapf überbleibt, was man sich dann noch holen kann.

Am Montag ging es zusammen zum Einkaufen nach Evje und Ylva erfüllte ihrer Funktion als Beifahrer im Pickup souverän.

 

Weitere Auffälligkeiten zeigten sich beim Spaziergang am Dienstag. Sie versuchte ständig Stuhlgang abzusetzen, wobei nicht wie gewohnt die „gewöhnliche“ Menge zu Tage gefördert wurde. Etwas dünn,... o.k. Wir sahen es im Zusammenhang mit ihrem Erbrechen einige Tage zuvor. In ihrer Aktivität bemerken wir keine Änderung.

 

Ab Mittwoch war sie deutlich ruhiger, fraß mäßig und legte sich, wenn wir ins Haus kamen, gleich im Körbchen ab. Ungewöhnlich für Ylva, denn eigentlich „geht sie uns nicht von der Pelle“, immer in der Hoffnung etwas abstauben zu können.

 

Am Freitag hatte sie wieder Brechreiz, ohne dass sie etwas erbrechen konnte. Sie würgte ständig und man sah deutlich, dass es sie Kraft kostete, den Brechreiz zu durchleben.

Jetzt war es offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Wir hatten den Verdacht, dass sie etwas gefressen haben musste, was im Magen fest hing und weder den Weg nach oben noch nach unten fand. Sie hatte Keinen richtigen Stuhlgang in den letzten Tagen , vielleicht könnte es auch ein partieller Darmverschluss sein. Für eine, für Hunde typische Magendrehung, war der Verlauf schon viel zu lang. Sie wäre längst daran gestorben.

Ralf hatte ausgerechnet an diesem schlimmen Tag Bereitschaftsdienst im Krankenhaus in Kristiansand. Unserem Hund ging es innerhalb kurzer Zeit sehr viel schlechter. Sie zeigte vermehrt Speichelfluss, und der Bauch war angeschwollen. Was sollte ich also tun!?

Kurz entschlossen fuhren wir am Nachmittag in die Tierklinik nach Kristiansand. Ralf hatte Dienst im Krankenhaus und war somit in der Nähe um eventuell dem Tierarzt zu helfen. Wir hatten ja schon oft Hunde operiert, auch dann, wenn Tierärzte keinen Rat mehr wussten oder eine Operation abgelehnt hatten. Es musste etwas passieren mit unserer kleinen "Roten"!

 

Angekommen in der Klinik, machte der Tierarzt nach einer kurzen Untersuchung gleich eine Röntgenaufnahme , welche einen deutlich erweiterten Magen zeigte, kein Zeichen für einen Darmverschluss. Also doch etwas im Magen, was unverdaulich war und nicht weiter gelangte - oder aber doch eine lebensgefährliche Magendrehung?

Der Tierarzt war nicht der Meinung.

Die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, oder zumindest 100 % ige Klarheit zu bekommen, war eine Operation. Also bekam Ylva eine Intubationsnarkose,  wurde an die Beatmungsmaschine angeschlossen und dann ihr Bauchraum eröffnet,... und wir waren konsterniert, sahen den Bauch voll mit Blut. Ylva hatte eine innere Blutung, die von einem großen Tumor, der am Übergang von der Speiseröhre zum Magen saß, ausging. Der Tumor hatte einen Teil der Magenwand beschädigt und blutete in den Bauchraum. Es war keine Magendrehung, denn der Übergang zum Zwölffingerdarm war ganz normal. Wir hatten keine Chance etwas zu tun. Der Tumor war gut mandarinengroß, ihn zu operieren, hätte bedeutet den Magen und einen Teil der Speiseröhre zu entfernen. Ein Eingriff, den kein Hund überleben kann, zumindest nicht ohne die notwendige intensivmedizinische Nachbehandlung.

Die Ursache dieses Tumors blieb unklar. Irgend etwas, was den Übergang von der Speiseröhre zum Magen beschädigt hat. Beim Menschen gibt es das auch und es ist immer lebensbedrohlich, z.B. das Boerhaave-Syndrom. Dubioser Weise hatte Ralf ein paar Wochen vorher einen Menschen mit dieser Krankheit durch eine große Operation retten können - bei Ylva waren uns die Hände gebunden. Wir mussten aufgeben.

 

Wir haben unsere Ylva aus der Narkose nicht mehr aufwachen lassen. Wir wollten nicht, dass sie nach der Operation leidet und einfach verblutet.

 

Es war eine für uns sehr schwere Entscheidung, die wir aber treffen mussten: Wir entschieden uns für unsere Ylva und gegen unsere Gefühle und Wünsche.

 

Wir waren mit der Vorstellung in die Tierklinik gefahren, Ylva zu helfen und standen doch dem Dilemma hilflos gegenüber. Wir, zwei Ärzte, die über 30 Jahre Berufserfahrung haben und sicher viele Menschenleben aus schwierigen Situationen gerettet haben, waren nicht in der Lage, ihren eigenen kleinen Hund am Leben zu halten. Wir waren so hilflos wie noch nie! 

Wir mussten Ylva gehen lassen, es war zum Schreien!

 

Die Fahrt zurück nach Espetveit war wie ein Traum, so unwirklich - mit einer toten Ylva im Auto.

Keine kleine aktive Hündin auf dem Beifahrersitz, die immer stupst, um gestreichelt zu werden und wachsam aus dem Fenster schaut, ob wir auch den richtigen Weg einschlagen, und aufpasst, dass auch kein Fremder dem Auto zu nahe kommt. Da war nichts, nur Totenstille.

 

Anouk war mit in die Tierklinik gefahren und hatte die ganze Zeit Kontakt mit ihrer Schwester. Während der Operation hatten wir sie in einem Extraraum untergebracht. Auf der Fahrt nach Hause lag sie still auf dem Rücksitz. Man hat sie nicht bemerkt und zwischendurch mussten wir uns vergewissern, ob sie überhaupt noch im Auto sitzt.

 

Angekommen im Haus, ging Anouk auf Suche. Von einem Zimmer ins andere und zum Schluss legte sie sich vor die Hauseingangstür, in Erwartung, dass Ylva sicher noch kommen muss, wenn sie doch nicht im Haus ist.

 

Doch Ylva wird nie mehr kommen. Wir haben sie verloren, … für immer.

 

Jeder Gedanke an unser kleines rotes Mädchen, tut uns sehr weh. Sie war ein so wichtiger Teil in unserem Leben. Es ist so schwer ohne sie zu sein, sie fehlt über alle Maßen !!!

 

Am Tag nach diesem schlimmen Erleben, hatten wir Ylva in eine Decke gewickelt, Kopf und Oberkörper schauten heraus und so konnte Anouk sie beschnuppern und Abschied nehmen. Sie hat sie oft besucht, geschubst und gepienst, … doch Anouk konnte ihre Schwester nicht erwecken.

Die Zwei waren von Geburt an mehr als 2 ½ Jahre zusammen, keinen Tag ohne die andere, … was muss wohl Anouk empfinden, plötzlich ganz allein zu sein, ohne ihre Schwester dazustehen.

Nucki“ (Kosename von Anouk), sucht immer noch nach ihrer Schwester. Sie ist verändert, ruhig, man merkt sie kaum. Anouk, die immer unser ganzes Team aufgemischt hat, ist wie verwandelt. Sie ist zur Zeit nicht mehr unser Wirbelwind, sie ist ein flaues Lüftchen, mehr nicht.

 

Ylva haben wir inzwischen hier auf Espetveit begraben. Sie liegt in unserem kleinen Tal an einem kleinen Felsvorsprung in der Nähe des Bachlaufes. Wir haben ihr ein schönes Grab bereitet. Niemand kann sie dort erreichen, nur unsere Gedanken.

Wir wollen ihre Ruhestätte mit einem „Glockenbaum“ versehen. Wenn der Wind durch das Tal zieht, werden die Glocken klingen und an unser kleines, munteres, liebenswürdiges Mini Aussie Mädchen erinnern.

 

Ylva wird immer einen Platz in unserem Herzen haben.

Wir können sie nie vergessen. 


 

Steh nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht dort. Ich schlafe nicht.


Ich bin wie tausend Winde, die wehen.


Ich bin das diamantene Glitzern des Schnees.


Ich bin das Sonnenlicht aus reifendem Korn.


Ich bin der sanfte Herbstregen.


Wenn du aufwachst in des Morgends Stille,

bin ich der flinke Flügelschlag

friedlicher Vögel im kreisenden Flug.


Ich bin der milde Stern, der in der Nacht leuchtet.


Stehe nicht an meinem Grab und weine.
Ich bin nicht fort. Ich bin nicht tot.

 

Anonymes Zitat aus : Penelope Smith, Gespräch mit Tieren

 


 

 

25.11.2011


Ylva ist von uns gegangen


 

Unsere

allerliebste Ylva

ist heute um 17:20 Uhr verstorben. 

 

Die heile Welt auf Espetveit hat eine Sprung bekommen. Ab jetzt ist alles anders.


Wir sind tief traurig, können unsere Gefühle augenblicklich nicht niederschreiben. Es tut zu sehr weh. Ein wichtiger Teil unseres neuen Lebens ist mit Ylva verschwunden.


Wenn wir etwas Abstand gewonnen haben, werden wir Einzelheiten schreiben. Augenblicklich geht es nicht.

 


 

15.11. 2011

 

Nicht eine Flocke in Sicht

 

Kaum zu glauben, wir haben es Mitte November und nicht eine einzige Schneeflocke hat uns bisher heimgesucht.


Es ist alles winterfest gemacht und der Traktor steht mit montierter Schneefräse bereit. Doch nichts rührt sich.

 

Solange wie wir hier auf Espetveit wohnen, hatten wir in jedem Jahr Ende Oktober den ersten Schnee.

Besonders im letzten Jahr spielte uns das Wetter übel mit. Schnee und Regen sowie wechselnde Temperaturen sorgten für einen abwechslungsreichen arbeitsintensiven Winter vom Oktober bis Ende April.

 

In diesem Jahr sind die Temperaturen ausgesprochen mild, so um die 6-8 Grad. Dafür hatten wir allerdings in den letzten 4 Wochen jeden Tag Regen zwischen 5 -15mm/m². Wir schwimmen fast weg.

Das Tageslicht macht sich ebenfalls etwas rar. Um 8:00 Uhr können wir das Licht im Haus ausschalten und gegen 16:30 Uhr wird es wieder angeknipst.

 

Gestern gab es den ersten Lichtblick, sprich Sonnenschein. Na, ja und da es uns so eigen ist, ging es mal wieder in den Wald zum Ausholzen und Aufräumen. Wir haben nun wieder mehrere Brennplätze mit angehäuften Geäst, welches wir im Winter,... wenn er dann endlich kommt...., brennen können. Geplant ist auch wie im letzten Jahr ein großes Lagerfeuer am letzten Tag des Jahres.

 

Unser Mittagessen nahmen wir auf unserem neuen Sonnenplatz am Hang hinter dem Pferdestall ein. Wir haben aus Baumstämmen eine rustikale kleine Sitzgruppe gebaut und diese ist so ausgerichtet, dass wir das ganze Jahr über Sonne haschen können,... wenn sie dann scheint.

 

Es ist nicht unsere Aufgabe einander näher zu kommen,

so wenig wie Sonne und Mond zueinander kommen

oder Meer und Land.

 

Unser Ziel ist,

einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen, was er ist:

des anderen Gegenstück und Ergänzung 

                                                                       

                                                                                    Hermann Hesse