27.03.2011 Trübe Aussichten

 

Ab heute stehen wir wieder eine Stunde früher auf. Die berühmte Sommerzeit hat uns wieder mit all` ihren Nachteilen, ... oder sollen es Vorteilen sein?

Für die nächsten Tage sind Regen und Schnee gemeldet und die Temperaturen sollen um 0 Grad liegen. Also vom Frühling ist noch nichts zu sehen.Wir haben nach wie vor eine geschlossene Schneedecke und heute am Vormittag hat es wieder geschneit.

 

Gestern war der Schafscherer im Schafstall und alle unsere Damen und Herren haben ihren dicken Wollmantel abgelegt und sind nun auf wärmere Temperaturen eingestellt.

 

Unser Anbau am Haus geht voran, aber sehr, sehr langsam. Die Zimmermänner werden wohl eine geraume Zeit unsere Gäste hier auf Espetveit sein.

Die ersten Ausbesserungsarbeiten am Paddockzaun sind erledigt.

Der Schnee ist inzwischen so fest, dass wir uns gut darauf bewegen können ohne einzusinken. So bekommen wir wieder Knabberzweige für unsere Vierbeiner. Es war ein lautes Geblöke als die Tyggekvister in die Boxen gelegt wurden. Die Schafe haben so ein wenig Beschäftigung und obendrein erhalten sie Extramineralien.

Neben den Schafen geht es auch allen anderen hier auf Espetveit gut. Wir haben keine Grund zu klagen. Der Winter wird gehen, so wie in jedem Jahr und an die Sommerzeit müssen wir uns eben gewöhnen, auch wie in jedem Jahr.


Du kannst über deine Träume nicht diskutieren,

du kannst sie leben oder sie verlieren.

 


23.03. 2011 „Ich weiß nicht was soll es bedeuten,...“

 

Inzwischen wird fleißig am Haus gebaut. Die Handwerker haben vor 1 Woche begonnen und nun steht das Grundgerüst für den Wintergarten. Am Tage scheint die Sonne und bei Temperaturen um 5 Grad ist es wahrscheinlich auch ganz angenehm draußen tätig zu sein.

Gestern haben wir hoffentlich unseren letzten Schnee bei den Pferden geräumt. Das Dach von der Doppelgarage hat sich als letztes seiner Last entledigt. Der Boden beginnt zu tauen und wir haben natürlich jede Menge aufgeweichten Boden trotz Splittauflage mit reichlich Wasserpfützen bei den Pferden. Nun gut es wird vorüber gehen. In den kommenden Tagen soll es trocken bleiben und die Temperaturen liegen am Tage über Null.

Leider haben wir seit einigen Tagen 2 von unseren Schafdamen, die uns ein wenig Sorgen bereiten. Flecki verhält sich auffällig ruhig. Sie frisst nicht richtig. Beim Kraftfutter war sie wie alle anderen in ihrer Fresslust kaum zu bremsen. Seit Sonnabend der letzten Woche verschmäht sie dieses vollständig. Sie knabbert ein wenig daran herum, aber nimmt nichts zu sich. Auch das Heu frisst sie nicht mit Appetit. Oft steht sie abseits der anderen und döst vor sich hin. Teilweise liegt sie und schaut den anderen beim Fressen zu. Sie nimmt Wasser zu sich und der Stuhlgang sieht normal aus. Wir können nichts Auffälliges an ihr finden. Heute Abend haben wir uns entschlossen, sie von den anderen zu isolieren und in einer unserer Lammboxen („Kreißsaal“) zu stellen. Es ist uns aufgefallen, dass sie heute Abend immer mal wieder Phasen zeigt, wo sie hechelt, so als ob sie Wehen hat. Wenn unserer Beobachtungen sich bestätigen und sie eine Frühgeburt bekommt, haben die Lämmer keine Chance zu überleben. Es ist 4 Wochen vor dem wahrscheinlichen Termin und die Lämmer sind von ihrer Lungenreife noch nicht auf ein selbständiges Leben außerhalb des Mutterleibes vorbereitet. Sie würden unmittelbar nach der Geburt sterben ohne dass wir auch nur die geringste Chance hätten den Kleinen zu helfen. Wir hoffen sehr für Flecki, das alles nur „blinder Alarm“ ist und sie sich vorüber gehend einfach nur unwohl fühlt.

 

Unser zweites Sorgenkind ist Tria. Sie ist ein sehr selbstbewusstes Schaf und obendrein auch sehr hübsch. Gestern nach dem Füttern stand sie mit einer „dicken Backe“ vor uns. In der rechten Gesichtshälfte in Höhe der Wange hatte sich ein ca. walnussgroßer Abszess (Eiteransammlung) breit gemacht. Mit dem Skalpell haben wir den Abszess eröffnet und es sind Massen von Eiter abgeflossen. Anschließend Spülung mit Desinfektionslösung und die Abszesshöhle war sauber. Nun brauchen wir etwas Glück, dass sich das Ganze nicht wieder verschließt und Komplikationen eintreten. Eine Infektion zur Lammzeit können wir nun wirklich nicht gebrauchen.

Hätten wir den Tierarzt rufen müssen, so wie viele andere Schafzüchter, hätten wir mal locker 1000 norwegische Kronen bezahlt. Ab und zu hat es eben doch ein Vorteil wenn man aus einem chirurgischen Fachgebiet kommt. Viele Dinge können wir selbst regulieren und die Tiere kommen dabei sicher auch ganz gut weg. Unsere Lamm Emil aus dem Lammkindergarten wäre im letzten Jahr sicher gestorben, hätten wir nicht in der damaligen Situation sofort gehandelt und ihn wie einen kleinen „Zweibeiner“ behandelt. Auch Quetschi, Dreizehn, Paul und Biggi wären im letzten August einfach gestorben, würden wir nicht unser medizinischen Wissen und praktische Erfahrung einfach in die Schafwelt übertragen und mit Verstand anwenden.

 

Man muss ehrlich und bescheiden sein,

aber laut und deutlich sagen, dass man es ist.

                                                                                                                     Jules Renard



13.03. 2011 Es wird umgebaut

 

Wir haben es jetzt Mitte März und ein Ende des Winters ist nicht in Sicht.

Am letzten Wochenende konnten wir bei herrlichem Sonnenschein unsere Tour in der Langlaufloipe fahren und anschließend auf der Terrasse vor unserem Haus in der Sonne sitzen.

Seit Montag dieser Woche hatten wir jeden Tag Schneefall. Teilweise wieder so stark, dass wir bevor wir morgens zur Arbeit starteten, räumen mussten um überhaupt auf den Waldweg zu kommen. Die Räumkante am Wegrand ist inzwischen 1,50m hoch und zwischen den Gebäuden auf unserem Hof liegen Schneeberge bis zu 3 m Höhe, die außerhalb gelegen wie ein Schutzwall unser Anwesen umschließen. Unser Hof gleicht einer Schneeburg.

Die Temperaturen liegen am Tag um den Gefrierpunkt, aber nachts geht es noch bis auf minus 10 Grad runter.

Na, ja irgendwann wird der Winter schon gehen, auch hier auf Espetveit in Norwegen.

 

Für das Frühjahr haben wir einen Umbau an unserem Wohnhaus geplant.

Bislang flossen alle Kraft und Geld in die Tiere, Nebengebäude und Geräte für den Hof. Jetzt sind die Menschen auf Espetveit an der Reihe.

Wir wollen einen kleinen Wintergarten anbauen, wo wir dann auch im Winter ausreichend Licht im Haus haben und vor allem unsere Pflanzen bessere Chancen bekommen, gesund über den Winter zukommen. Auch fehlt uns unsere Sauna, die wir in unserem Haus in Deutschland haben. Einen Raum zur Integration einer Sauna mit Tauchbecken und einem kleinen Fitnessareal, soll spätestens zum Herbst funktionstüchtig sein. Der Rohbau wird zusammen mit dem Wintergarten jetzt im Frühjahr fertig gestellt. Den Innenausbau wollen wir selbst machen.

Zum Glück haben wir einen deutschen Zimmermann kennen gelernt, der uns auch schon unser Tor zur Einfahrt aufgestellt hat. Bei Stefan wissen wir, dass Qualität, Pünktlichkeit und termingerechtes Arbeiten zur guten Arbeit gehört. Beim Ausbau unseres Bades gleich zu Beginn unseres Daseins hier auf Espetveit, haben wir mit den norwegischen Handwerkern unsere eigenen Erfahrungen gemacht, …. und die wahren alles andere als gut.

Heute war Stefan auf Espetveit um mit uns die Einzelheiten des Bauprojektes zu besprechen. Die Baugenehmigung haben wir vor mehreren Monaten bei der Kommune eingereicht Die Fenster werden morgen bestellt. Stefan will trotz des vielen Schnees noch in dieser Woche mit den Außenarbeiten beginnen.

 

Wir sind gespannt! 


Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.

                                                                                                            

                                                                                      Louis Armstrong


  

06.03.2011


Après-Ski


 

Heute war tolles Wetter und wenig Arbeit auf Espetveit.

 


Es hatte ausnahmsweise keinen neuen Schnee gegeben. Alle Aufräumarbeiten hatten wir gestern erledigt. Freizeit war angesagt.

Blauer Himmel , Sonnenschein und Windstille luden zu einer ausgiebigen Tour ein. Also zusammen mit Anouk und Ylva hoch auf den „Hausberg“ und die Ski angeschnallt. Leider waren die Schneeverhältnisse nicht so toll. Durch die wechselnden Temperaturen der letzten Tage war der Schnee verharscht und wir mussten mächtig aufpassen. Für unsere zwei Hunde ist die verharschte Schneedecke natürlich perfekt. Die Oberfläche ist so fest, dass die beiden beim Laufen nicht einbrechen und so richtig herumtollen können. Nach 2 Stunden Wanderung auf Langlaufbrettern ging es wieder zurück auf unseren Hof.

Und wir hatten großes Glück. Unsere Terrasse lag noch im Sonnenschein. Es gab zur Belohnung für die Mühen ein Glas Sekt und eine halbe Stunde ausruhen bei behaglichen Temperaturen. Immerhin waren es 15 Grad in der Sonne !

Wir hatten nämlich auch etwas zu feiern.

Ab der kommenden Woche arbeiten wir zusammen in einer Sektion in der chirurgischen Abteilung. Wir haben in Zukunft nur noch eine 4-Tage-Arbeitswoche und Liane hat zudem keine Bereitschaftsdienste mehr. Das bedeutet eine völlig neue Lebensqualität. Wenn das kein Grund zum Feiern ist !!!

 

Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was du möchtest.

 


01.03. 2011 Wintertour auf Espetveit