15.06. 2011 Nachtwanderung im Lammkindergarten

 

Wieder ein Tag vorüber. Bis 21:00 Uhr hatten wir draußen zu tun. Nun haben wir uns „bettfein“ gemacht, denn es ist schon wieder 22:45 Uhr, Zeit die Beine hochzulegen und die Augen zu schließen. Ein letzter Blick aus dem Fenster auf die Weide und alles in Ordnung?… denkste!

 

Unsere Lämmer im Kindergarten sind zur Nachwanderung außerhalb ihres Kindergartenumfeldes auf Tour. Es ist um diese Zeit noch recht hell. Die Helligkeit geht erst gegen 23:30 Uhr und kommt aber um 02:30 Uhr schon zurück, so dass wir die gesamte Mannschaft an den großen Steinen mitten auf der großen Weide ausmachen können. Eigentlich ist dieses Stück für die Heuernte gedacht und nicht als Tobeareal für vorwitzige auf Abenteuer ausgehende kleine Lämmer. Tja. Mit dem „früh ins Bett gehen“ war dann wohl nichts. Raus aus den Schlafklamotten und rein in die Arbeitskluft zum Einfangen unserer übermütigen Kindergartenlämmer.

 

Nur gut, dass alle 6 Ausreißer noch sehr an ihren Milcheimer festhalten. So war es nicht schwierig alle Lämmer wieder auf das Kindergartengelände zurück zu bekommen. Den Eimer gesehen und mit lautem Geblöke Richtung Lammhaus und an die Schnuller zum Milch trinken. Tja, sind eben doch noch klein unsere Lämmchen und an ihre Schlaf- und versorgungstation gebunden.

 

Wir haben dann noch mitten in der Nacht, allerdings bei Helligkeit, einen Weidezaundraht gezogen, der vom Pferdestall aus mit Strom versorgt wird. So ist der kleine Lammzaun ausbruchssicher fixiert und die feinen Lammnäschen meiden den unmittelbaren Kontakt mit dem Zaun.

Um Mitternacht war die Aktion erfolgreich beendet und wir schlüpften glücklich in unsere Betten. Wir hatten noch 5 Stunden Schlaf vor uns.

Um 05:15 Uhr klingelt dann wieder der Wecker für den neuen Tag. Wer weiß welche Überraschungen dieser für uns bereit hält.

 

Übrigens ist unsere Ylva genesen. Sie nimmt wieder ganz normal am Leben auf Espetveit teil. Wir alle sind heilfroh, dass unser "Goldstück" wieder die Alte ist.  

 

In der Realität ist die Wirklichkeit ganz anders.

 

 

 

07.06. 2011 Ylva ist schwer krank

 

Inzwischen hat die liebe Sonne Mitleid mit den Bewohnern Norwegens und bescherte uns phantastisches Wetter am letzten Wochenende. Temperaturen um 28 Grad und strahlend blauer Himmel entschädigte für die 10 Tage Dauerregen da vor. Jetzt ist es wieder etwas durchwachsen, aber die Temperaturen halten sich am Tage so um die 20 Grad. So kann man die Regenschauer wesentlich besser tolerieren. Den Schafen beschert es ein sauberes Fell und auch unsere Pferde duschen sich im warmen Regen. Für die Grasflächen ist es sehr nützlich, denn nach dem Regenmangel und kalten Temperaturen sieht es allmählich durchgehend Grün auf der Weide aus.

 

Vor 10 Tagen hat unsere Schafherde die Weide gewechselt. Es war ein richtiges Durcheinander, da die Lämmer natürlich nicht wussten was nun ansteht. Die reiferen Damen fanden ohne Schwierigkeiten den Durchgang zur Nachbarweide. Eine Gruppe von ca. 10 Lämmern lief völlig entgegengesetzt und verpasste so den Anschluss an die Herde.

Also alle zusammen treiben, zusammen halten und beibringen, dass der Durchgang durchaus passierbar ist und von diesem keine Gefahr droht. Man staunt immer wieder wie unbekanntes Terrain so ein kleines Tier verunsichern kann. Nach mehreren Versuchen die kleine Lammherde zusammen zu treiben, gelang es endlich mit Ylvas Hilfe die Mädels und Jungen zu ihren Müttern zu führen. Diese warteten ungeduldig auf der Gegenseite am Zaun und versuchten durch lautes Geblöke ihren Kindern Hilfestellung zu geben.

Unsere Ylva hat von ganz allein eingegriffen und sich von uns abgeschaut worauf es ankommt. Sie hat die kleine Herde umkreist und wenn ein Lamm ausgebrochen ist, es sofort verfolgt und gestoppt. Allerdings versuchte sie das Lämmchen im Nacken festzuhalten, ...na, ja nicht unbedingt Hütehundmanier. Aber wir sind ganz stolz, dass sie ihren Hüteinstinkt ausgegraben hat und uns in Zukunft doch unterstützen kann. Und das alles ohne jegliche Ausbildung, einfach so, ... Instinkt und Schläue.

 

Leider haben wir mit Ylva seit 3 Tagen große Sorgen. Sie ist schwer krank und wir kennen nicht den auslösenden Faktor. Sie hat am letzten Sonnabend angefangen, die selben Symptome zu zeigen wie Anouk sie vor 6 Wochen hatte. Ab Sonntag haben wir mit einem Antibiotikum begonnen, sehen aber keine Besserung. Nun gibt es Kortison zusätzlich um den Spasmus, den sie beim Atmen hat, zu lindern. Sie bewegt sich kaum, scheut jegliche Belastung. Sie frisst seit 2 Tagen nicht und auch zum Wasser trinken ist sie kaum zu bewegen. Sie hat kein Fieber, und zeigt außer der schnellen spastischen Atmung keine zusätzlichen Symptome. Wir denken, dass sie ebenfalls eine Lungenentzündung hat.


Anouk ist wie umgewandelt, denn ihre Schwester fehlt ihr als Spielkamerad. Sie schleicht bedrückt um sie herum und versucht sie zum Aufstehen zu bewegen. Aber all ihre Versuche sind erfolglos.


Es ist schon schlimm mit ansehen zu müssen wie so ein kleines Tier leidet. Man steht dem machtlos gegenüber.

Wir hoffen sehr, dass sie es schafft wieder gesund zu werden. Wir wollen sie als eines unserer „Goldstücke“ auf unserem Hof nicht verlieren. Die gesamte Familie auf Espetveit ist geknickt und traurig. 


Die Sache der Tiere steht höher für mich als die Sorge,

mich lächerlich zu machen.

Sie ist unlösbar verknüpft mit der Sache der Menschen.

                                                                                                                     Emile Zola