15.07. 2011 Wettlauf mit der Zeit


 

Mittwoch 13.07, ... es sind 2 Tage schönes Wetter angesagt bevor wieder eine breite Regenfront mit Massen von Wasser über Norwegen zieht.

Das Gras steht hoch genug, … also ran ans Heu machen.

 

Am Mittwoch Vormittag hatte Ralf ca. ¼ unserer Heufläche mit dem Balkenmäher geschnitten. Es ist mehr oder weniger Handarbeit, denn die Wiese ist sehr uneben und mit einem Mähwerk am Traktor nicht zu bearbeiten. So brauchen wir Zeit und Geduld um das Werk zu vollbringen. Am Abend mit dem Wender im Gespann das gemähte Gras gelüftet mit der Hoffnung, dass nicht zu viel Tau am kommenden Morgen sich niederlassen wird.

 

Donnerstag vor der Arbeit hatten wir nochmals geschaut, aber ein erneutes Wenden war nicht möglich, denn auf der Oberfläche lag reichlich Tau und das Gras war einfach zu feucht um mit dem Wender am Traktor vor der Fahrt nach Kristiansand zu arbeiten. Tja, wir hofften natürlich, dass die Sonne und etwas Wind uns die Arbeit abnehmen und das Gras zum Nachmittag so trocknen wird, dass wir es rein holen können und die Resttrockenzeit muss auf dem Heuboden von statten gehen..

Entgegen den früheren Wettervorhersagen sollte es bereits am Donnerstag Abend zu Regenschauern kommen und dann wäre alles umsonst gewesen,... das Gras würde verschimmeln.

Als wir nach der Klinikarbeit endlich zu Hause ankamen, waren bereits die ersten dicken Wolken am Himmel. Es war sehr windig und so hatten wir die Hoffnung, dass das Wetter sich hält. Also raus aus den Klamotten und rein in die Arbeitskluft.

 

Liane versorgte alle Tiere und Ralf fuhr die Runde mit Traktor und Wender so, dass das Heu auf Reihe lag. Es war gut getrocknet und nun mussten wir nur schneller sein als der Wind, der die Wolken mit dem Regen Richtung Espetveit schob. Ein Teil des ach so wertvollen Heu`s haben wir mit dem Heurechen auf Reihe ziehen müssen. Tiefere Kuhlen und große Steine verhindern, dass der Wender genau arbeiten kann. Na ja, also wie vor hundert Jahren und mit Muskelkraft geschafft. Soll ja angeblich fit halten, so eine kleine Beschäftigung. Jedenfalls sparen wir hier auf Espetveit das Fitness-Studio durch viele andere körperliche Tätigkeiten, die nun mal zu einem Bauernhof gehören.

 

Maschinen gewechselt, Holder mit Pferdehänger auf die Wiese gezogen und das Heu eingeladen. Zwischenzeitlich lies der Wind nach. Es war bei den letzten beiden Fuhren fast windstill und die Knott (kleine Fliegen, die fürchterlich beißen und in die Kleidung durch jede kleine Lücke kriechen) umgarnten uns, dass es zum Weglaufen war. Doch wir wollten unser Heu nicht aufgeben. Die letzte Fuhre holten wir um 22:30 Uhr rein. Eine Stunde später begann der Regen.

 

 

So nun liegt das phantastisch riechende Heu vorn im Schafstall und muss heute auf den Heuboden über dem Stall hochgezogen werden. Das werden wir wie in jedem Jahr mit einer Plane machen, die mit dem Heu gefüllt wird, dann an ihren vier Ecken an einen Haken an die Seilwinde kommt und durch die Heubodentür geht es dann nach oben. Liane ist der „Füller“ und Ralf der „Leerer“. Wir sind inzwischen ein sehr gut eingespieltes Team . Auf dem Heuboden haben wir genügend Platz um das noch nicht ganz trockenen Heu auszubreiten und durch regelmäßiges Wenden vollkommen trocken zu bekommen.

 

Wenn die nächste „Regenzeit“ hier vorüber ist, werden wir uns der noch ausstehenden Wiese widmen. Es sind noch gut ¾ unserer Jahresmenge draußen .

In diesem Jahr hängen wir mit der Heuernte ganz schön hinten dran. Wir hatten sehr lange Schnee auf der einen Seite der Wiese. Der April war sehr trocken und im Juni waren die Temperaturen einfach zu kalt.

Ja und nun wo das Gras endlich erntereif ist, spielt uns das Wetter wieder einen Streich mit dem ständigen Regen.

 

Laut Wettervorhersage sollen am Sonntag 60l Wasser auf 1qm fallen. Am Montag immer noch 40 und Dienstag ca 30. Wir können uns auf Einiges gefasst machen und müssen Wege und Plätze entsprechen vorbereiten. Wir wollen ja nicht, dass unser Gehöft davon schwimmt oder der Belag auf Wegen und Plätzen sich Richtung Hang bewegt.

                   Am Morgen sehr früh ist viel zu spät für das, 

                      was man Abend vorher hätte tun sollen.                                                

                                  Johann Heinrich Pestalozzi

 

 


08.07. 2011

 

Raufutter ist im Stall

 

Endlich geschafft.

Wir haben das Raufutter (Rundballen) im Stall.

 

Es waren einige Fuhren die wir aber mit unserer täglichen Fahrt zur Arbeit nach Kristiansand verbinden konnten. Morgens ging es mit dem Pick up und Pferdehänger gegen 06:15 Uhr los. Ca 10 km vor unserer Arbeitsstätte lagert ein Bauer kleine Rundballen , so dass jeden Morgen wir den Pferdehänger auf dem Feld abstellten. Abends nach der Arbeit wurde aufgeladen und zurück ging`s nach Espetveit.

Wir haben 294 Rundballen geholt und alle sind im Schafstall untergekommen. Allerdings mussten wir hoch hinaus um die Anzahl im Stall unterzukriegen. Jetzt liegen jeweils 5 Ballen übereinander und die dritte Lage ist mit einem Gurt an der Wand gesichert. Zwischen den Doppelreihen zu jeder Seite müssen wir durch um in den Arbeitsraum zu kommen. Hier sind alle Utensilien für die Schafe untergebracht. Von medizinischen Dingen, über die Milcheimer für die Lämmer, Austattung für den Tierarzt und für den Schafscherer. Hier ist auch ein Waschbecken mit Warmwasser zugänglich.

Um auf den Heuboden zukommen müssen wir ebenfalls den Gang zwischen den Ballen nutzen. Da ist es schon vernünftig die Ballen gesichert zu haben um keine Überraschung von durch die Gegend fallende 50-60 kg Ballen zu haben.

 

Mit unserer eigenen Heuernte sieht es in diesem Jahr nicht besonders gut aus. Das Gras steht nicht besonders hoch. Es regnet seit gut 4 Wochen fast jeden Tag und die Nächte sind relativ kalt. In den letzten beiden Jahren hatten wir schon alles Heu unter Dach und Fach, … in diesem Jahr ist es sehr ungewiss was kommt. Laut Wetterbericht soll es weiter regnen. Wir brauchen mindestens 5 Tage Sonnenschein um eine gute Ernte einholen zu können.

 

Jeder Tag ist eine neue Chance, das zu tun, was man möchte.

 


 

06.07. 2011

 

Ylva und Anouk

 

auf Einkaufstour

 

nach Evje

  

 

Letztes Wochenende hatte Liane Dienst in der Frauenklinik und war somit am Montag Morgen nicht zu Hause. Ralf hatte allerhand zu schaffen um in kurzer Zeit alle Tiere versorgen zu können. Nach dem frühen Frühstück alle aus dem Haus um Pferde und Lämmchen im Kindergarten zu füttern. Anouk und Ylva hatten irgendeine heiße Spur im Wald aufgenommen und schwups waren sie verschwunden.

 

Die Zeit ist morgens eigentlich immer ein wenig zu kurz und nachdem Ralf alles geordnet hatte, ging es los mit dem  Auto. Der Pferdehänger war vom Vortag noch angehängt um am Nachmittag nach der Arbeit wieder eine Ladung Rundballen aus Kristiansand mitzubringen.

 

Tja aber wo sind die beiden Hundemädchen? Kein Rufen half, die Beiden blieben im Wald verschollen.

Na, ja dass unsere Hunde ab und zu einen ausgedehnten Spaziergang unternehmen, ist uns nicht fremd, … doch auf Rufen erscheinen sie immer,... nur nicht am Montag.

So fuhr Ralf los mit seinem Gespann auf nach Kristiansand in die Klinik. 

 

Als wir am späten Nachmittag wieder zurück waren , warteten unsere Mädchen beide ganz brav hinter dem Zaun auf uns und freuten sich riesig, dass wir wieder zu Hause waren. Nichts ahnend dachten wir natürlich, was für brave Hündchen wir doch haben.

 

Wie wir nun von unserem Zimmermann Stefan, der unseren Anbau am Haus macht, erfahren haben, hatte er sie am Montag Morgen auf der Hauptverkehrsstraße, dem Riksvei 9 in Richtung Evje ca. 10 km weg von Espetveit, aufgegabelt. Sie waren dort auf dem Seitenstreifen Richtung Evje unterwegs. Da die beiden Stefan ja kennen, haben sie ihn freudestrahlend begrüßt als er anhielt und sie ins Auto holte. So ging es zurück nach Espetveit.

 

Wir können uns die Tour nur so erklären, dass die beiden bemerkten wie Ralf vom Hof fuhr und meinten, er hätte sie nur vergessen mitzunehmen. Und so ging es dem Auto nach in der Hoffnung der hält schon an und lässt uns einsteigen. War aber nicht so.

 

Am Wochenende fährt Ralf öfters zum Einkaufen nach Evje und da fahren Anouk und Ylva immer mit. Ylva ist dann Beifahrer und achtet auf den Weg. Unsere Anouk sitzt hinten, schaut aus dem Seitenfenster und begrüßt jeden Vorbeifahrenden mit 2-3 „Bellern“. Inzwischen sind die Zwei routinierte Autofahrer geworden und sind jeden Morgen, wenn wir zur Arbeit fahren, beleidigt, dass wir sie nicht mitnehmen. An einem getrockneten Fischstückchen lassen sie dann ihren Frust aus.

Es ist ein Ritual, was jeden Morgen passiert und die beiden haben sich trotz des Beleidigtseins daran gewöhnt, dass der Tag nun ganz allein ihnen gehört und die Zeit erst wieder am späten Nachmittag mit uns geteilt wird.

Am Wochenende entfernen sie sich keinen Schritt zu weit, wenn sie registrieren, dass sich da was am Auto regt.

 

Wir sind natürlich heilfroh, dass dieser spontane Einkaufstripp ein gutes Ende fand. Es hätte auch anders ausgehen können.

 

Den Freilauf für unsere beiden Mini Aussies haben wir etwas eingeschränkt. Wir wollen so etwas nicht noch einmal erleben. So haben wir einen zusätzlichen Lammzaun gestellt. Dieser versperrt alle Stellen wo die Zwei eventuell eine Möglichkeit hätten zu entschlüpfen. Diesen Zaun haben wir auch für unsere Lämmer im Kindergarten und nach der Nachtwanderung der Kindergartenlämmer ist dieser auch an das Stromnetz angeschlossen. So kommt keiner von den Vierbeinern auf den Gedanken mehr als die Nase durch zu stecken. So ein Kribbeln an der Nasenspitze braucht auch ein Lämmchen nicht jeden Tag und das gilt sicher auch für unsere ausflugsfreudigen Aussiemädchen.

 

Wenn du dich immer nur an die Regel hältst, 

                                verpasst du eine Menge Spaß.                                                                                                                                                                       Katherine Hepburn