26.02. 2011 Kein Ende in Sicht

 

Nun hat der Februar bald ein Ende, … der Winter aber scheinbar noch lange nicht.

Nachdem der Januar relativ schneearm und warm war, hat der Februar seine ganze Kraft in Schnee und Minusgrade gesteckt.

Seit gut 3 Wochen sind wir täglich mit mindestens 3 Stunden Schneeräumen beschäftigt und gestern ist zu allem auch noch unsere Schneefräse vom Traktor kaputt gegangen. Nur gut , dass der Winter laut Kalender sich dem Ende neigt (... hoffen wir jedenfalls...) und dieses nicht zu Beginn der Wintersaison passiert ist.

Die Norweger sind sehr gemütliche Leute und eine defekte Schneefräse auf einem Bauernhof abgelegen im Wald bei Dauerschnee ist hier noch lange kein „Notfall“, der einen schnellen Service erfordert. Nach mehrmaligen Versuchen, den entsprechenden Handwerker ans Telefon zu bekommen, haben wir einen Termin für den Montag verabreden können. , ... d.h aber nicht unbedingt, dass der liebe Mann auch wirklich kommt. Handwerker haben hier eine Engelsgeduld und verabredet sein, heißt nicht unbedingt, dass der Termin auch eingehalten wird. 

 

Also wird jetzt der Schnee vom Hof mit der Skuffer geräumt. Heute haben wir mal wieder hinten auf dem Paddock der Pferden eine Großaktion gestartet um dort die Schneemassen wegzubekommen. Allerdings liegt sehr viel Schnee auf den Dächern und Temperaturen um die Nullgrad werden diese Massen zum Fortbewegen animieren. D. h. In wenigen Tagen liegen dann wieder einige Kubikmeter Schnee zwischen der Heuraufe und Paddock, die nach wegräumen schreien.

 

In diesem Jahr ist es mit dem Schneeräumen sehr aufwendig. Ständig wechselnde Temperaturen und ungewöhnlich viel Schnee in kurzer Zeit sorgen für ein „zeitaufwendiges Fitnessprogramm“.

Wir mögen den Winter, aber in diesem Jahr treibt er Schabernack mit uns.

Wir wollen nicht mehr, 4 Monate Schnee und Frost sind genug.

 

Unseren Tieren geht es allen gut.

Szindi und Bandy scheinen den Winter zu genießen. Schneebaden und stundenlang draußen stehen und sich ein weißes Kleid verpassen lassen, muss wohl eine wohltuende Beschäftigung sein. Nachts liegen die beiden in ihrer Schlafecke im Stall unter dem Wandstrahler. Haben wir mehr als 10 Grad minus schalten wir den Heizstrahler an, damit die beiden es auch kuschelig warm in der Nacht haben.

 

Unseren schwangeren Schafsdamen geht es gut. Leider konnten wir in den letzten zwei Wochen keine „Tyggekvister“ mehr in den Stall bringen, da aufgrund des hohen Schnees wir nicht mehr an die niedrigen Bäume herankommen. Schade, aber nicht zu ändern, manchmal müssen wir uns eben doch den natürlichen Gegebenheiten hier draußen beugen. Wir haben nun die Kraftfuttermenge erhöht und jedes Schaf bekommt ca. 750 g Kraftfutter. Bislang sieht man allerdings noch nichts von der Trächtigkeit. Alle Schafe haben einen dicken Pelz und sehen kugelrund aus. Das typische Zeichen der ausladenden Flanken ist noch nicht zu erkennen. Nach der Deckzeit müssten die ersten Lämmer um den 24. April kommen. Wir sind schon ganz gespannt, wer wohl als erste Mutter wird und wie viele Lämmer es sein werden.

Wenn die Lammzeit begonnen hat wird die Kraftfuttermenge nochmals auf knapp 1000g /Mutterschaf erhöht um den erhöhten Energiebedarf durch die einsetzende Milchproduktion abzudecken.

 

Heute waren an unserem Futterhäuschen das erste Günfinkenpärchen und die erste Amsel. Die Singvögel kommen aus den tiefer gelegenen Regionen wieder hoch in die Berge. Ein Zeichen, dass der Frühling nicht mehr weit seit kann.

Unsere beiden Pferde Szindi und Bandy fangen an ihr dickes Fell auszulösen. Ganze Haarbüschel findet man an den Schubberstellen im Stall und wenn man mit zwei Finger am Fell zieht, hat man kleine Pinsel in der Hand.

Unsere Mini Aussies Anouk und Ylva verlieren mehr und mehr ihre Unterwolle und auf dem Teppich liegen hier und da kleine Wollknäuel.

 

Den Tieren nach ist das Frühjahr nicht mehr fern. Also sind wir optimistisch , denn jeder Winter hat ein Ende, auch dieser. ... aber wann??? 

 

Alle lebenden Kreaturen haben die gleiche Seele, auch wenn Ihre Körper verschieden sind.

                                                                                                                         Hippokrates 


 

 

03.02. 2011 Wie füttert man Schafe richtig?

 

 

 

 

 

Diese Frage war für uns nicht einfach zu beantworten. 

 

 

 

Die Erfahrungen in den ersten zwei Jahre mit unseren wolligen Vierbeinern waren durchwachsen. Wir haben viele Ratschläge bekommen und wussten oft nicht, was wir davon halten und wie wir sie anwenden sollten. Nach genauen Richtlinien füttert hier keiner seine Schafe. Pål stand uns mit Rat und Tat zur Seite, denn er hatte eine kleine Anzahl von seinen eigenen Schafen bei uns im Schafstall mit einstehen. Aber auch er konnte nur das vermitteln was er selber angewandt und für gut und machbar befunden hatte. So haben wir natürlich „Lehrgeld“ gezahlt. Wir waren in der Vergangenheit davon überzeugt, die Schafe freuten sich, wenn wir nach Hause kamen und begrüßten uns mit lautem Geblöke. Das meinte jedenfalls Paul.

Seit diesem Herbst sind wir schlauer. Das große Theater beim Wiedersehen hatte nämlich nur eine Ursache: Hunger!

Wir hatten in den vergangenen 2 Jahren Futter von einem Bauern in der unmittelbaren Umgebung gekauft. Paul hatte viele Jahre dieses Futter verwendete, um mit den Schafen über den Winter zu kommen. Wir waren schon kritisch als wir in der ersten Saison fütterten. Der Geruch und das Aussehen, des Silagefutters gefiel uns gar nicht. Aber uns wurde gesagt, dass das so in Ordnung ist.

Jetzt wissen wir es besser. Es war grottenschlechtes Silagefutter, was wir verfütterten. Es war viel zu feucht und zu tief abgemäht. Dadurch war Erde in der Silage und sie faulte teilweise. Wir hatten etwa ein Drittel Abfall. Die Schafe haben das Raufutter einfach nicht runter bekommen. Die norwegischen Bauern machen sich da nicht so viele Gedanken und sind teilweise der Meinung tolles Futter anzubieten. Davon bringt sie auch keiner ab, höchstens der, der besseres Raufutter macht und es beweisen kann. So einen Bauern haben wir schließlich auch gefunden. Wir waren anfangs skeptisch, aber das Wohlbefinden und die Zufriedenheit unserer Schafe gibt ihm recht.

Unsere Schafe machen kein Theater mehr, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen und nach elfstündiger Futterpause den Stall betreten.

Sie sind jetzt zufrieden, liegen relaxt auf dem Streckmetallboden und käuen wieder. Erst wenn wir den Eimer mit Kraftfutter füllen, kommt Leben in den Stall. Das ist aber auch nicht mehr so wild wie früher.

Wir sind jetzt Besitzer der gesamten Herde und haben da durch natürlich alle Rechte und Pflichten. Wir haben es geschafft unter schwierigen Bedingungen hier in Norwegen alles optimal zu organisieren und auch genügend gutes Futter für die Stallsaison zu haben. Das gilt nicht nur für die Schafe sondern auch für unsere beiden Pferde. Somit sind Tier und Mensch zufrieden.


 

Aber, was füttern wir nun?


Die Schafe erhalten aktuell 3 x täglich Futter.

Morgens um 05:30 Uhr gibt es pro Schaf 250 g Kraftfutter. Das ist fertiges Mischfutter für Schafe in Form von feinen Pellets, welches wir in 800 kg Säcken kaufen. Danach gibt es pro Schaf ein knappes Kilo, sehr gutes, 80% getrocknetes Heu (Raufutter).

Um 17.30 bekommen die Tiere noch einmal genau dieselbe Fütterung wie am Morgen. Um 22.00 Uhr gibt es eine Nachtmahlzeit. Das ist für die Schafe ein besonderer Leckerbissen. Es gibt einen Nachtisch von etwa einem Pfund selbst geernteten feinem Bergwiesenheu mit Blumen und Kräutern. Da hört man nur noch Laute von den Kaubewegungen der Schafe im Stall!

 

Abfall haben wir absolut keinen mehr. Die Schafe lieben das Futter, lassen keinen Halm übrig. Es ist eine reine Freude ihnen beim Fressen zuzuschauen.

Wir achten auch darauf, dass unsere Tiere genügend Spurenelemente, insbesondere Selen bekommen.

Durch Selenmangel und unsere Unkenntnis darüber (Espetveit ist ein Selenmangelgebiet) haben wir in den letzten beiden Lammperioden mehrere Tiere verloren und zusätzlich viel krankenpflegerische Arbeit gehabt. Jetzt haben wir spezielle Mineralsteine und Heu aus Kristiansand, wo es im Boden ausreichend Selen gibt. Außerdem bekommen die Mütter vor dem Ablammen Selen/Vit E gespritzt. Sie sollen genügend Selen für ihre Kleinen in der Milch haben.

Wir sehen dieses Mal gelassener als sonst der Zeit des Ablammens entgegen.

 

Wenn die Schafe hoch trächtig sind passen wir die Fütterung an, was auch für die Zeit gilt, in der die Lämmer gesäugt werden.

Wir orientieren uns an aktuellen Tabellen, die man leicht im Internet finden kann.

 

 

Rationsbeispiel für ein säugendes Mutterschaf

mit 2 Lämmern  

 (Dr. Martin Pries, Annette Menke)

 

Futtermittel

Menge
kg

ME
MJ

Rohprotein
g

Ca*

P*

Na*

Mg*

Heu, gut

1,4

11,9

168

6,3

4,3

0,7

2,1

Mischfutter (18/3)

1,0

10,8

180

8,0

4,0

2,0

2,0

Summe

2,4

22,7

348

14,3

8,3

2,7

4,1

 

Quelle:Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

 

Es ist wichtig die Futtermenge der Zahl, der zu erwartenden Lämmer anzupassen. In der Säugezeit brauchen die Mutterschafe wesentlich mehr Kraftfutter.


 

Wir sind in dieser Saison insgesamt viel mehr Profi als zuvor und auch in der glücklichen Verfassung, uns ausreichend gutes Futter für die Tiere leisten zu können. Wir müssen nicht das Letzte aus diesen liebenswerten Tieren herausholen und ihre sprichwörtliche Genügsamkeit auf die Probe stellen.

Auf jeden Fall wollen wir uns nicht mit den hier in Norwegen üblichen hohen Verlustzahlen zufrieden geben.

Eine gute Fütterung ist eine der Hauptvoraussetzungen für einen gesunden Tierbestand. Wir haben hier in Norwegen ein wenig den Eindruck, dass manche Bauern ihre Schafe irgendwie durch die Wintersaison bringen und ihre große Hoffnung dann in der Weidezeit auf den Hochwiesen im Gebirge liegt. Entsprechend hoch sind die Verluste. Der größte Teil der Verluste wird den Raubtieren zugeschrieben. Vom Staat gibt es dafür satte Ausgleichszahlungen. Wir haben unsere Zweifel ob wirklich so viele „wilde Bestien“ wie Wölfe und Luchse, in den Bergen leben.

Wir haben in den letzten 2 Jahren genug gesehen und hautnah erlebt welche kleinen Dinge den Tieren oft ans Leben gehen. Da oben in den Bergen bekommen sie keine Hilfe und sterben einfach. Natürlich kommen dann die Aasfresser und alles sieht so aus, wie ein Raubtierangriff. Die Ursache liegt aber oft anderswo und der Niedergang kann schon mit der schlechten Fütterung in der Wintersaison beginnen. Diese Meinung teilen auch die ansässigen Tierärzte mit uns, zu denen wir sehr guten Kontakt haben und die auch immer hilfsbereit sind.

 

Es gibt nur ein Mittel, sich wohl zu fühlen:

Man muss lernen, mit dem Gegebenen zufrieden zu sein

                    und nicht immer das verlangen, was gerade fehlt.                                                                                                     

                                                                                    Theodor Fontane