19.11. 2010 Spätherbst –


Zeit um Brennholz zu schlagen und zu lagern

 

Wir besitzen auf Espetveit mehr als 60 Hektar produktiven Wald und müssen diesen natürlich irgendwie nutzen und bearbeiten. Die großen Aktionen werden von unserer Genossenschaft übernommen, die Verträge mit Besitzern von großen Maschinen hat. Einzelpersonen können sich diese riesigen Maschinen nicht leisten.

 

Ihr könnt diese Maschinen in Aktion in einem kleinen Film sehen. Die "Harvester" oder "Holzvollernter" waren im Sommer 2009 in unserem Wald. Es war sehr beeindruckend, sie zu beobachten. Das Gelände ist nicht nur sehr steil, sondern an manchen Stellen auch sumpfig. Diese Riesen kommen aber auch mit den schwierigsten Bedingungen zurecht. Wir sind vorübergehend mitgefahren. Es wird einem ganz mulmig bei dem auf und ab und den extremen Schräglagen.

 

 

 

 Alle Waldbesitzer sind auf diese Lohnarbeit angewiesen. Das System funktioniert aber recht gut. Wir haben bereits 5 Hektar roden lassen und auch relativ gut verkauft. Im nächsten Herbst forsten wir diese Fläche wieder auf.

Kompliziert wird es für uns nur mit der Problemstellung, wann und wie machen wir Brennholz. Alles ist erlernbar. Aber mit dem Bäume fällen zur richtigen Zeit und am richtigen Ort ist das so eine Sache. Spätestens wenn der erste große Baum nicht ganz in der gewünschten Richtung nieder geht, kommt Respekt auf. Es ist Vorsicht geboten und der Job ist gefährlich.

 

Laubbäume kann man gut im Hochsommer fällen und einfach liegen lassen bis die Blätter braun sind. Dann ist alles Wasser aus dem Stamm geholt und das Holz ist fast trocken. Probleme bekommt man beim Fällen, wenn sich bei belaubten Bäumen der Wind dreht. Die Krone ist natürlich wie ein großes Segel und alle richtungsgebenden Einkerbungen mit der Kettensäge sind für die Katz, wenn man den Wind ignoriert.

Nadelbäume fällt man am besten spät im Herbst oder hier auch im tiefen Winter. Sie stehen dann nicht mehr im Saft und das Holz trocknet schnell. Außerdem ist das zugeschnittene Holz, leichter mit dem Schneeskooter zu transportieren. Etliche Gebiete sind absolut nicht mit Maschinen befahrbar, das geht nur im Winter mit dem Skooter.

 

Für den Eigenbedarf oder Verkauf von Brennholz machen wir keine Rodungen. Da wird nur ausgedünnt und so perfekt wie möglich heller Mischwald geschaffen. Der ausgedünnte Wald wird eingezäunt und den Schafen und Pferden überlassen. Sie sind zur richtigen Zeit in den Wald geschickt, die perfekten Landschaftspfleger. 

 



Die Brennholzproduktion ist lukrativ und der Absatz sicher. Nahezu jeder Haushalt braucht in Norwegen Brennholz. Kohle und Öl werden kaum verwendet.


Die Basisheizung geschieht elektrisch und gemütliche Wärme macht man mit eisernen Öfen.


Ein normaler Haushalt braucht hier etwa 4m³ Brennholz pro Saison. Wir benötigen viel mehr, da wir uns im Haus nicht so warm anziehen, wie es die meisten Norweger tun. Sprich: Bei denen ist es oft ziemlich kalt im Haus oder in der Wohnung. Dicke Pullover sind angesagt, am Besten aus Wolle. Wir Deutschen sind diesbezüglich sehr verwöhnt. Die Umstellung fällt schwer und ist bei manchen Dingen fast unmöglich. Wir sind heilfroh, ein gut isoliertes und nicht fußkaltes Haus gekauft zu haben. Es ist in der kalten Jahreszeit sehr gemütlich. Der gußeiserne Ofen in der Wohnstube leistet gute Dienste und ist einfach zu bedienen. Man muss sich eben nur ans „Feuer machen“ gewöhnen.

 

Aber nun zurück zur Holzproduktion.

In Norwegen gibt es komische Maße. Darunter auch für die Holzmengen.

Man rechnet nicht nach m³ sondern misst in „mål“ oder auch „favn“ genannt. Ein mål sind 2,4m³ gestapeltes Holz. Die Holzscheite sind 60cm breit und man stapelt sie meist 1m hoch und auf 4m Länge. So kippt der Stapel nicht um und lässt sich leicht abdecken, oft mit alten Wellblechplatten. Wird so ein „mål“ professionell für den Verkauf in einem Supermarkt oder meist an der Tankstelle verpackt, geschieht das in einer Scheitbreite von 30cm und in 60 Liter Säcken.

An der Tankstelle ist das Holz logischerweise teuer. Ein Sack kostet leicht 80 Kronen und reicht für einen Abend. Das ist doppelt so teuer, als wenn man das Holz beim Produzenten abholt. Noch wilder wird es beim Kauf von Birkenholz. Es hat zwar nicht den besten Brennwert, ist aber sehr beliebt wegen seiner Sicherheit beim Abbrennen im offenen Kamin. Wir haben viel Birkenholz, mögen es aber nicht besonders. Es brennt zu schnell runter.

Wir benötigen für die Produktion von einem „mål“ (2,4m³) Brennholz einen Tag Arbeit (Frau und Mann), inklusive Beseitigung des Abfalles. Das ist ein mäßiger Tageslohn für harte Arbeit. Es macht aber auch Spaß und ist eine wirkliche Herausforderung als Laie Bäume zu schlagen und zu verarbeiten. Eine wichtige Voraussetzung ist gutes Werkzeug (jeder auf dem Land lebende norwegische Mann besitzt mindestens eine Motorkettensäge) und einigermaßen erträgliches Wetter. 

 

Weiter unten findet ihr eine kurze Zusammenfassung der Produktionsmaße für Brennholz und wie man diese in Norwegen bezeichnet. Außerdem gibt es zwei Tabellen über die gebräuchlichen Holzarten, deren Gewicht per m³ und Brennwert. Alle Werte sind im Internet sorgfältig recherchiert und gerundet. Es sollen Richtwerte sein. Das Brennholz ist in zwei Güteklassen eingeteilt, abhängig vom Brennwert. Klasse 1 mit einem Brennwert über 2500 KW/h pro m³ und Klasse 2 eben darunter. So verkauft man gemischtes Brennholz. Birke und Buche sind eine eigene Liga und werden nur auf Wunsch gesondert gelagert und dann auch viel teurer verkauft.

Die norwegischen Bezeichnungen sind wie gewohnt braun und alles Deutsche in den Tabellen grün. Der Rest ergibt sich aus der Logik heraus.

Im norwegisch- sprachigen Internet gibt es nicht so viele Informationen über diese Problematik. Darum haben wir uns die Mühe gemacht, die Tabellen zweisprachig anzulegen und auch eine kleine Erklärung auf norwegisch zu schreiben.

 

Das Nützlichste, was wir im Leben lernen können ist zu verlernen, was unwahr ist.                                                                                                                                                                                                    Antisthenes 


 

Et mål med ved


Standard mål på et "mål" eller en "favn" går alltid ut fra 60 cm lang ved, som stables i lag på 2x2m eller 4x1m.

Standard favn ved er 60 cm x 200 cm x 200 cm = 2400000 cm³ = 2400 liter = 40 sekker á 60 liter.

For en favn ved trenger man ca 1,6 m³ (fast kubikk).

 

 

Treslag

Baumart

kg pr. m³

Kw-timer

Kw/h

Treslag

Baumart

kg pr. m³

Kw-timer

Kw/h

Bøk

Buche

570

3030

Bjørk

Birke

500

2660

Eik

Eiche

550

2930

Svartor

Schwarzerle

440

2340

Ask

Esche

550

2930

Furu

Kiefer

440

2340

Alm

Ulme

540

2870

Selje

Salweide

430

2290

Lønn

Ahorn

530

2820

Lind

Linde

430

2290

Rogn

Eberesche

520

2770

Osp

Espe

400

2130

 

 

 

Gran

Fichte

380

2020

 

Vedtype


Holzsorte

60 liter sekk


(30 cm)

Løs favn


2,4m³lose

Bjørk /Birke

75.-

2200.-

Blanding klasse 1

(> 2500 kw)

70.-

2000.-

Blanding klasse 2

(< 2500 kw)

60.-

1600.-

 

 

 

15.11. 2010 Konzert aus dem Schafstall


In den letzten 4 Woche hatten wir fast nur „Schnuddelwetter“ hier in Südnorwegen. Nachdem Mitte Oktober der Winter das erste Mal Espetveit in ein weißes Tuch einpackte, war es danach so, als ob der Wettergott Norwegen ersäufen wollte. Regen, Regen und nochmals Regen, aber so wie aus Eimern geschüttet. Jetzt tritt endlich die ersehnte Ruhe ein (…, hoffen wir jedenfalls).

 

Espetveit zeigt sich nun in einem neuen weißen Kleid.

Letzten Donnerstag gab es viel Schnee, ca. einen halben Meter. Die Temperaturen liegen um 0 Grad und klettern am Tage bis auf 3 Plusgrade. Zwischendurch gab es auch etwas Schneeregen, der allerdings die weiße Masse verdichtet hat. Es sieht alles nach wie vor sehr weihnachtlich-festlich aus.

Wenn man den Wetterfröschen glauben kann, wird es in den nächsten Tagen kalt, ab und zu gibt es Schneeschauer.

 

Gestern haben wir mit unserem Traktor hinten bei den Pferden den gesamten Schnee geräumt. Die Dächer hatten sich der Schneemassen entledigt  und so war für die Pferde und auch für uns kein Durchkommen mehr. Wir hatten gut 4 Stunden zu tun und dann war alles wieder wie geleckt.

Tja, das ist die gerühmte "deutsche Gründlichkeit" würde Pål wieder sagen (oder eben "typisk tysk").  

Ein paar Verschönerungsarbeiten im Schafstall gab es auch. Wir haben in jede Box einen Laubbaumast gehängt, so dass die Schafe die Möglichkeit haben, etwas Zweige und Rinde zu knabbern wenn es ihnen langweilig wird. Außerdem starten sie mit jedem Berühren des Astes ein kleines Glockenkonzert. Jeder Ast hat 4 Schafglocken angehängt bekommen. So hören wir öfters ein kleines Konzert und den Schafen scheint es auch zugefallen, sonst würden sie nicht ständig daran zupfen. Unsere, oder besser den Schafen ihre Weihnachtsbeleuchtung, ist auch schon montiert und erstrahlt wenn es dunkel wird. 

 

Ach ja, ein Radio besitzen unsere Schafe auch. Am Tage gibt es die neuesten Berichte von Norge 4 und Unterhaltung mit den Hits aus der ganzen Welt. Die Nachrichten sind natürlich auf auf norwegisch, was ja die Muttersprache in der Herde ist. Wir sprechen deutsch mit unseren Schafen und das scheinen sie auch zu verstehen.

 

Wir Ditterts haben schon einen besonderen Schafstall.

Die kahlen Wände sind mit lustigen Bilder verziehrt. Zur Winterzeit ziehrt eine Lichterkette den Eingangsbereich der Boxen. Sie spendet immer ein wenig Licht und Wärme in dieser düsteren, ungemütlichen Zeit. Und nun klingen auch noch Glocken und vertreiben den Tieren die Langeweile.  

 

Die Glocken bekommen die Schafe normalerweise  um den Hals, wenn sie im Frühsommer ins Gebirge geschickt werden. Unsere Schafe bleiben aber auf Espetveit da inzwischen mit dem Gebirgstauftrieb einige Pflichten verbunden sind, denen wir als Hobbybauern berufsbedingt nicht nachkommen können. Andererseits haben wir genügend eigene Grünfläche, um den Schafen ausreichend Futter über den Sommer zur Verfügung zu stellen. Außerdem macht es viel Spaß, den Lämmern beim Großwerden zuzuschauen und wir haben immer die Kontrolle über die Herde sollte es gesundheitliche Probleme geben. Unsere kleine Herde auf Espetveit zu haben, ist für uns die einfachere und schönere Lösung.

 

Immer wenn du das Abwendbare abgewendet hast,

geschieht das Unabwendbare.   


 


Lilly
Lilly

 

01.11. 2010

 

Alle sind fein

 

für das

 

Stelldichein 

 

 

 

 

Vor 2 Tagen hatten alle unsere Schafe ein Rendezvous mit dem Schafscherer.

 

Eigentlich hatte er sich für 10.00 Uhr angesagt, aber wie es nun mal in Norwegen üblich ist, hält man es nicht so genau mit den Absprachen. Er kam viel später, was bedeutete, dass die Schafe lange auf ihr Frühstück warten mußten. 

 

Alle waren natürlich ungeduldig, zeigte das durch lautes Geblöke. Üblicherweise wird vor dem Scheren nicht gefüttert, da diese Aktion für alle Schafe sehr aufregend ist und sie sich so zu sagen vor Angst in die Hose machen.

Na, ja Spaß bei Seite, die Tiere haben natürlich mit dem Fressen auch unmittelbar Stuhlgang und das ist beim Scheren der Schafe nicht unbedingt angenehm und hygienisch, wenn Wolle und Schafscherer „bekunkelt“ werden. 

 

Nach einer langer Wartezeit und einem Telefongespräch war es dann so weit.

Begonnen wurde in der Box mit Fips, Emma, Martha und ihren Zimmergenossinnen. Es ging eigentlich ganz friedlich ab.

 

Anschließend kamen unsere jüngsten Schäfchen an die Reihe. Lilly war die erste vom jungen Volk und dem entsprechend hat sie sich auch aufgeführt. Lautes Rufen und unruhiges Gezappel zögerten unnötig die Prozedur hinaus. Aber letztendlich ist sie ganz vergnüglich in die Jungdamenbox zurück. Aber welch ein Schrecken, sie war allein, denn ihre Mitbewohner waren noch nebenan beim Frisör. Hin und her gelaufen wurde und immer wieder gerufen:“Wo seid ihr, warum bin ich allein? Hilft mir denn keiner? Maaamaa ….!“ So nach und nach versammelten sich alle jungen Mädchen wieder in ihrem Zimmer und es wurde geschnuppert und sich berührt um heraus zu finden wer ist wer und sind es die, welche auch hier rein gehören. Die 5 Lämmchen waren in ihren Ausmaßen deutlich geschrumpft und wirken nun wirklich wie kleine unbeholfene Kinder.

 

Die Damen in den anderen 2 Boxen nahmen den Gang zum Frisör mit Gelassenheit. Es war ja nicht das erste Mal und mit Routine ließen sie den Schafscherer arbeiten. Anschließend trotteten sie allein in ihre Boxen zurück. Cool eben!

 

Dreizehn unser kleines Böckchen war die Ruhe selbst. Er wollte erst nicht aus seinem Zimmer raus, aber dann ließ er sich drehen und wenden so wie es eben beim Schaffrisör notwendig ist. Anschließend ging er ganz zufrieden wieder in seine Jungmännerbox.

 

Auch Hänschen nahm es gelassen. Nur keine Aufregung hat er sich gedacht. Pelz runter und wieder in die Box um endlich Futter fassen zu können.

 

Tja, nun sind unsere 27 Schafe fein gemacht für das Stelldichein in 4 Wochen. Bis dahin ist die „Wolle“ wieder etwas nachgewachsen und alle tragen ein feines samtiges Kleid, … die Herren natürlich einen Samtanzug.

Wir sind gespannt!!!

 

Unsere Schafe werden 2x im Jahr geschoren. Im Herbst, wenn sie von der Weide reinkommen, also vor dem Decken und dann nochmals im Frühjahr vor dem Ablammen (Geburt der Lämmer).   

 

Die Wolle kommt in große Papiersäcke und wird 1x im Jahr von der Wollfabrik eingesammelt. Es wird dann in Evje ein Container aufgestellt wo alle Schafbesitzer ihre Papiersäcke mit der Wolle einwerfen können. Auf den Säcken werden die Produktionsnummer und Gårds(Bauernhof)nummer geschrieben. So kann die Fabrik nachvollziehen wo die Wolle herkommt und den Wert entsprechend berechnen bzw. Mängel an Sauberkeit, Scherqualität und Wollqualität zuordnen.

Es ist nicht viel Geld was man dafür bekommt. Aber letztendlich können wir damit die Kosten für den Schafscherer decken.

Zurzeit stehen auf dem Heuboden noch die Säcke vom Frühjahr. Nun müssen wir aufpassen wann die Wollfabrik den Container aufstellt, so dass wir alle Säcke mit Wolle in diesem Jahr abgeben können.


P.S. Mehr Bilder über das Scheren findet ihr in einer eigenen Galerie in Lammzeit/Lammzeit2011/November

 

Die beste Möglichkeit, Träume zu verwirklichen, ist aufzuwachen.