31.05.2010


Lammkindergarten

 

(norw. Barnehagen)   

 

 

Seit dem Auszug aus dem Schafstall sind nun 13 Tage vergangen. Alle Schafe fühlen sich wohl und genießen die frische Luft, die Bewegungsfreiheit und das gute frische Gras.

Auch die Mitglieder des „Barnehagens" machen einen zufriedenen Eindruck.

 

Lisa ist als Kindergartentante ihrer Aufgabe gerecht geworden. Die ersten „Benimmregeln“ haben Früchte getragen und alle 6 Lämmer Quetschi, Emil, Dreizehn, Biggi, Daggi und Bruno wissen inzwischen was sich in einem Schafsflock gehört und was man lieber sein lassen sollte, da es sonst „Schupser“ von den Erwachsenen gibt.

Biggi hatte einen kleinen Abszess am Hinterfuß, den wir natürlich fachmännisch versorgt haben. Inzwischen kann sie wieder ganz normal laufen.

Lisa trauerte allerdings den anderen Schafen in der Großherde nach als diese die Weide wechselten und auf die andere Seite des Berges wanderten.

So haben wir uns entschlossen Lisa mit ihren Drillingen zu den anderen ziehen zu lassen.

 

Nun besuchen Quetschi, Emil und Dreizehn allein den Kindergarten auf Espetveit. Sie erwecken aber nicht den Eindruck, dass sie lange Weile hätten. Natürlich sieht man ab und zu auch in Richtung Berg wo die anderen stehen, doch  um in den Flock zu kommen, bedarf es noch etwas Zeit. Die Drei trinken zur Zeit jeden Tag 8 Liter Milch. Der Trinkeimer wird 2x täglich frisch gefüllt und alle kommen sofort angerannt wenn es frische Milch gibt. 


Unsere beiden Mini Aussies Ylva und Anouk kommen täglich zu Besuch in den Kindergarten und dann wird zusammen getobt und Ylva als Pflegemutter überprüft die Sauberkeit von Ohren und Popo.

Gestern hat Emil versucht Anouk zu einem Zweikampf herauszufordern, aber unser Mini Aussie hatte keine Ambitionen sich mit einem kleinen Schafbock einzulassen.

 

Das Lammhaus wird von allen drei Lämmern gut angenommen. Abends geht es zum Schlafen ins Häuschen und auch wenn es regnet sieht die Welt aus einem Lammhaus wesentlich trockener aus.

 

Glück ist, wenn das Pech die anderen trifft.

                                                                                                                   Horaz

30.05.2010


Finger ab, … oder?


 

Freudiges Ereignis,

der Rasentraktor ist da.



Na endlich ..., bei der großen Fläche lohnt es sich schon so ein Gefährt anzuschaffen. Rasen mähen bedeutet zur Zeit 4 Stunden körperliche Arbeit, ... nicht einfach nur gerade aus, nein hoch und runter geht’s und schnittige Kurven müssen umfahren werden. Für Liane in den letzten 2 Jahren ihre wöchentliche Aufgabe. Aber nun soll das ja ein Ende haben.


Also vor 5 Tagen wurde der alte normale Benzinrasenmäher das letzte Mal benutzt. Tja, das Gras war sehr nass und hing im Auswurf fest. Nur ein wenig oberflächlich mit der Hand lösen, gleich bei laufenden Motor, ... sollte Zeit sparen. Dem Rasenmäher war das nicht recht und er wehrte sich mit allen Mitteln gegen diesen Eingriff und zwar mit seinem Schneideblatt. Ein wenig zu tief und Liane hörte die Engel singen ... und das Blut lief und lief. Verdammt, genau das getan was man nie tun sollte. Jede Manipulation bei ruhenden Motor, kann man überall lesen und es gibt genügend Warnschilder. Aber denkste, Liane konnte mal wieder nicht hören und wusste es besser.


Na ja der Finger ist noch dran, sieht im Augenblick auch nicht wesentlich kürzer aus, als vor dem Schlag des Rasenmähers. Große offene Wunde an der Fingerkuppe mit Fraktur des Fingerknochens. Alles in allem noch mal Schwein gehabt. Arbeiten kann man damit natürlich nicht, die rechte Hand ist nicht zu gebrauchen.

Danach gab es natürlich Belehrungen und Ratschläge und so weiter und so fort,... aber auch eine Einweisung in die Benutzung des Rasentraktors.

Und da ist es ganz einfach. Vom Sitz aus kommt man mit seiner Hand nicht unter das Mähwerk und wenn man es trotzdem versucht, muss man aufstehen ... und da geht der Traktor automatisch, wenn das Mähwerk in Gebrauch ist, aus !!!


Nur gut, nochmal so viel Glück hat man kein zweites Mal, ... auch nicht Liane.


Und noch eine Anschaffung haben wir gemacht.



Unser „Holder“ hat eine geländegängigen Anhänger bekommen.

 

So hat Ralf die Möglichkeit das Holz, welches wir im Wald schlagen, sicher auch auf den Hof zu transportieren. Es ist ein sehr robustes kleines Ding.

Unser Hans in Deutschland ist sicher ganz gerührt, das sein "Holder" so einen prima Gefährten bekommen hat. Hans hat uns den Weinbergtraktor geschenkt, als wir in Norwegen unseren Bauernhof kauften. So hatten wir für die ersten Monate einen guten Helfer. Der „Holder“ ist mehr als 40 Jahre alt, aber Hans hat ihn mit viel Liebe gepflegt, so dass der kleine Traktor ohne Probleme funktioniert.


Unser Fuhrpark wird immer größer. Einen Heuwender haben wir übrigens zusammen mit dem Rasentraktor gekauft. Nun fehlt uns nur noch ein Heubinder und ein Mähwerk dann ist unser Landwirtschaftsbetrieb maschinell vollständig ausgestattet. 


Beginnen ist Stärke - vollenden können ist Kraft.                  

                                                

                                                                    Johann Wolfgang Goethe  

 


 

24.05. 2010 Bubenhof

 

Nun ist es endlich so weit. Wir haben unseren Haus- und Hofnamen nach Norwegen importiert.

 

Ausschlaggebend war das Schild, denn ohne ein Schild geht gar nichts, auch nicht in Norwegen.

Auf unserem letzten Seminargruppentreffen hatten wir mit Ina und Rene gesprochen, ob sie nicht eine Möglichkeit sehen ein Bubenhof-Schild für uns in Deutschland anfertigen zu lassen. Dieses wollten wir am nachfolgenden Treffen im September 2010 dann mit nach Norwegen überführen.

Liane und Ina haben Augenmaß genommen und der Auftrag war perfekt.

Im April wurde es dann war. Rene hatte den Auftrag in die Hand genommen. Natürlich sofort angezweifelt, ob das denn mit dem Augenmaß so richtig ist. Wir haben die Größe auf 140cm verlängert. Und das war gut so!!!

Das Schild konnte Liane dann auf ihrer letzten Reise nach Deutschland Ende April auf dem Rückweg mit nach Norwegen nehmen.

Nun haben wir ein phantastischen Eingangsschild an unserem neuen Portal und unser Bubenhof existiert hier in Norwegen weiter.

 

Ein schönes Gefühl wieder ein richtiges zu Hause zu haben, einen Ort den man benennen kann und mit dem man sich identifiziert.

 

Mange hjertelig takk, für Ina und Rene, die sich so bemüht haben und uns auch noch dieses Schild zum Geschenk gemacht haben.

                            

                … vielen, vielen Dank                 

 

Es gibt zwei Arten von Freunden:

Die einen sind käuflich, die anderen sind unbezahlbar. 



                                                          

20.05. 2010 Überraschung am frühen Morgen

 

Heute klingelte unser Wecker um 5:30 Uhr und Anouk und Ylva waren überglücklich endlich aufstehen zu können.

Ein Blick aus dem Fenster im Bad und Liane traute ihren Augen nicht. Fast alle Schafe hatten einen Ausflug nach draußen unternommen und standen außerhalb vom Zaun oben an der Weide am Weg zur Hänschens Sommerweide. …Und alle Lämmer waren brav ihren Müttern gefolgt.

 

So hatten wir eine kleine Extratour am frühen Morgen um den gesamten Flock wieder auf die Weide zurück zu bekommen.

Anouk und Ylva waren begeistern denn endlich war die Routine am Morgen durch den Einfallsreichtum ihrer Freunde unterbrochen, … es war etwas los auf Espetveit, ….hurra, hurra, hurra !!!

 

Es ging aber besser als wir anfänglich befürchteten. Dieses Mal wirkte der Eimer mit Kraftfutter Wunder. Durch die Lücke im Zaun (die Schafe hatten ein Feld mit Maschendraht einfach aufgedrückt) kamen alle nebst ihren Kindern zurück. Der Einsatz dauerte 20 Minuten und alle waren wieder an Ort und Stelle. Tja mit der Zeit bekommt man Routine im Bewegen einer Schaffherde.

 

Anouk und Ylva sind zwar wie wild mit hoch auf die Weide gelaufen, haben sich aber am Wegrand abgelegt und zu gesehen wie wir das jetzt wohl bewerkstelligen. Wahrscheinlich wollten sie sich abschauen was in Zukunft ihre Aufgabe sein wird, … Schafe in Reih `und Glied bringen. Bis zum echten Hütehund ist es eben doch ein langer Weg und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aber das geplante und angemeldete Hüteseminar kommt bestimmt und dann geht alles wie von selbst, … hoffen wir mal.

 

Für Pessimisten beginnt der Tag mit dem Morgengrauen.

 

 

18.05. 2010 Frischluft ist angesagt

 

Heute war es nun endlich so weit. Die gesamte Schafsbande kam nach draußen. Der Wetterbericht hat für die kommende Woche herrliches Wetter voraus gesagt und so müssen wir nicht mehr befürchten, dass unsere Lämmchen frieren und die Alten findet nun auch genug zum Fressen auf der Weide.

Liane war zu Hause und hatte sich mit Pål verabredet die Schafe im Laufe des Vormittags auf die Weide zu bringen.

Ralf hatte Dienst und stand für diese Aufgabe nicht zur Verfügung.

Es sollte alles ganz einfach gehen. Alle Boxentüren werden geöffnet und die Schafe laufen hinter Pål, der mit einem Eimer mit Kraftfutter voran gehen sollte, hinterher.

Tja aber wie so oft im Leben, Theorie ist das Eine, Praxis das Andere.

Unsere Schafsmütter dachten nicht daran ihr zu Hause mit all seinen Bequemlichkeiten, …..warm und trocken , Ruhe, Essenservice mit mehrmaliger Bewirtung am Tage und immer genug zum Fressen u.v.m., zu verlassen. Da half auch kein Schütteln des Futters im Eimer. Das Geräusch wurde mit lautem Wohlwollen entgegen genommen, aber die Damen bewegten sich keinen Schritt hinaus.

 

So hatte Pål die glorreiche Idee doch zunächst alle Lämmer mit einem Hänger auf die Weide zu bringen und wenn dann die Mütter ihre Kinder rufen hören, dann werden sie ihnen sicher problemlos folgen. Dieses taten wir dann auch.

37 teilweise sehr dicke und schwere Lämmer hievten wir aus den Boxen in einen Hänger und fuhren mit der schreiender Fracht nach ganz oben auf die Weide. Da standen die kleinen Schreihälse nun und warteten auf ihre Mütter.

Wir mussten allerdings alle Damen aus ihren Boxen schubsen, keine hatte ein Ohr für ihr Kind, alle dachten nur an die Bequemlichkeit. Nachdem die ersten 10 erwachsenen Schafe auf der Weide im unteren Anteil standen, folgten die weiteren. Tja, die Enttäuschung war groß als kein Kraftfutter auf der Weide war. Die letzten sollten auch durch die Öffnung im Zaun rein,…. Aber die wählten den Weg zu den Pferden und unser Bandy tobte wie wild davon. Schafe auf seinem Paddock, das war ihm dann doch zu viel.

 

Es gab ein großes Hin und Her und nach insgesamt 3 Stunden hatten wir endlich alle Schafe an der Stelle wo wir es geplant hatten. Das Interesse der Mütter an ihren Kindern hielt sich in Grenzen. Wichtiger war das saftige Gras auf der Wiese, ... Kinder können warte. Nach weiteren 2 Stunden welches von Geblöke und Gesuche ausgefüllt war, fand sich endlich Ruhe im Flock.

 

Unser „Barnehagen auf Espetveit“ (Kindergarten auf Espetveit) wurde ebenfalls eröffnet. Da stehen nun auf einem eigens für die Lämmchen abgezäunten Stück Wiese das Lammhaus mit dem an der Seite fixierten Milcheimer als Selbsttränke.

Quetschi, Emil und Dreizehn haben inzwischen gelernt sich dach Bedarf selber zu bedienen. Die 3 Lämmchen trinken ca 7 Liter Schafsmilch pro Tag und fangen an kleine Rundungen zu zeigen. Als „Barnehagentante“ nimmt Lisa ihre Aufgabe sehr ernst. Zusammen mit ihren Drillingen Biggi, Daggi und Bruno sind sie mit den anderen Weisenkindern ein perfektes Team. Und Lisa erzieht nicht nur ihre eigenen Lämmer. Auch Emil, Quetschi und Dreizehn bekommen die Konsequenz von Lisa bei der Kindererziehung zu spüren.

Alle sind zufrieden, ... glauben wir jedenfalls.

 

Der Einzige in der Runde, der es nicht so gut erwischt hat, ist unser Hänschen. Unser Schafsbock steht auf einem extra Wiesenstück, welchen durch einen Weg von der anderen Weide getrennt ist. Es ist ein sehr großer Freilauf mit einem kleinen Bach, Felsen und natürlich vielen Bäumen und viel Grünfläche zum grasen. Aber Hänschen steht allein, denn Hans ist inzwischen in einen anderen Schafsflock umgezogen. So allein macht es aber nur halb so viel Spaß da draußen und so sucht er nach einem Freund.

Wir wollen versuchen, dass Hänschen auch in die Ferien reisen kann um gemeinsam mit anderen Böcken den Sommerzu verbringen. 

 

Leichtsinn ist die fröhliche Art, Erfahrungen zu sammeln.

 

 

 

09.05. 2010 Nun wird es Frühling auch auf Espetveit

 

Vor 4 Tagen haben wir unser letztes Lämmchen bekommen, unseren Emil. Leider hat Susi, seine Mutter ihn nicht angenommen uns so steht er zusammen mit Quetschi und Dreizehn in der Kinderbox. Bislang haben wir mit der Flasche gefüttert und seit gestern Nachmittag gibt es Milch aus dem Milcheimer. Na, ja das gelingt noch nicht so gut. Wir müssen alle 3 noch an den Eimer setzten und die kleinen Schnuten an den Schnuller halten bis sie merken „… ah, da kommt ja Milch raus“. Aber sie werden es schon lernen, … hoffen wir jedenfalls.

  

Nun sind es wahrscheinlich nur noch wenige Tage bis alle Schafe nach draußen kommen.

Der Frühling hat seit wenigen Tagen auch Espetveit entdeckt. Natürlich ist noch nicht viel Grün zu sehen, aber man merkt dass die Natur unruhig wird und in Gang kommen will. Knospen an den Bäumen und Sträuchern werden dicker und sind kurz vor dem aufplatzen. Das Gras verfärbt sich und hier und da und wo die Sonne mehr Zeit verbringt, sieht man frisches Gras hervor kommen. Auch die ersten Frühlingsblüher stecken ihre Köpfe heraus.


Am Vogelhäuschen sammeln sich Grünfink, Dompfaff, Kohlmeise  und Specht um sich um die Sonnenblumenkerne zu streiten. 

 

Gestern durften auch Szindi und Bandy ihre erste Tour in den Wald unternehmen. Beide waren übermütig und machten so manchen tollkühnen Sprung am Berg. Das Gras ist natürlich noch sehr dürftig auf der Koppel, aber das ist ganz gut so, denn zu viel des Guten kann auch gefährlich sein für die Zwei.

 

Die Weide für den Lammkindergarten haben wir gestern auch abgegrenzt und das Lammhaus neu positioniert. So können unsere 3 Kindergartenlämmer zusammen mit Lisa und ihren Drillingen dicht am Haus auf der eigenen kindgerechten Weide stehen. Damit haben wir diese immer in Sichtweite. Von den anderen Drillingen ist jeweils ein Lamm verstorben, so dass nur Lisa noch mit drei Lämmern sich plagen muss. Aber Lisa hat alles im Griff. Sagenhaft wie sie alles ordnet und ihre 3 Kinder gedeihen gleich gut.

 

Es sind weiter frühlinghafte Temperaturen so um die 10 Grad gemeldet. Allerdings gibt es nachts nach wie vor Frost bis zu 5 Grad minus. Das ist auch der Grund weshalb wir noch etwas zögern die gesamte Schafbande nach draußen zu bringen. Vielleicht sind wir aber auch zu zimperlich und sollten weniger menschlich denken.

 

Lächeln ist die preiswerteste Art, sein Gesicht zu verschönern.

                                                                                                                   Klaus Klages