24.12. 2010 Heiligabend,  

ein knitterkalter Wintertag

Liane hat Nachtdienst in der Frauenklinik und Ralf Rufbereitschaft von zuhause. Es ist schön in der warmen Stube zu sitzen. Die Weihnacht ist durch die Dienste verkorkst. So ist Zeit ein paar Zeilen zu schreiben. Unsere  Hundemädchen liegen auf dem Teppich und schlafen. Sie haben keine Lust rauszugehen. Es sind schon -28° und es ist erst 19.00 Uhr!! So eine Kälte haben wir hier auf Espetveit bislang nicht erlebt.

 

Die Pferde und Schafe wurden bereits am späten Nachmittag gefüttert. Da heute ein besonderer Tag ist, gibt es aber nochmals eine gute Nachtmahlzeit.

 

Der Winter hat uns jetzt fest im Griff. Was wir hier so mitbekommen gilt das aber auch für Deutschland. Dort ist es mit relativ großem Chaos auf den Straßen verbunden, hier einfach nur kalt. Wir haben seit Wochen zwischen 10 und 25 Kältegrade. Es ist allerdings trockene Kälte und dazu wenig Wind. Solange man gut angezogen ist, macht einem diese Kälte nicht viel zu schaffen. Es lässt sich auch gut dabei arbeiten. Wir haben derweil alle Holzarbeiten getan. Viele Bäume gefällt und entastet. Außerdem wurden die Stämme mit der Kettensäge in 40 cm lange Stücke zerlegt. Nun liegt das Holz über den Winter im Wald und wird in den ersten beiden Maiwochen des kommenden Jahres gehackt. Dann gibt es noch keine Insekten. Da macht es noch Spaß, im Freien zu schaffen. Spätestens im Juni ist es vorbei mit dieser Behaglichkeit. Es ist dann nahezu unmöglich, im Wald zu arbeiten. Sowie man anfängt zu schwitzen sind sie da, die kleinen Plagegeister. Jetzt war es perfekt. Kaum schwitzen, keine Insekten und nach getaner Arbeit ein guter Glühwein am Feuer. Wir brennen gleich alles Astwerk. Im Winter ist das ungefährlich und gleichzeitig eine angenehme und auch abenteuerliche Geschichte.

 

Nächstes Jahr wird die Nachfrage nach Brennholz sehr groß sein. Es gibt schon jetzt viele Haushalte, die ihre Vorräte stark schwinden sehen. Die Norwegen sind in dieser Beziehung nicht besonders vorausschauend und das Erwachen ist dann oft groß. Uns haben schon einige angesprochen. Sie reduzieren schon die Zahl der beheizten Räume im Haus.

Wir haben seit Oktober 5m³ Holz verbrannt – kommen in diesem Winter sicher auf 12 bis 14m³. Das entspricht ca. 16000 Kronen (etwa 2500.-€). Dazu kommen noch 25000 Kronen für Strom, um Warmwasser zu bereiten und in einigen Räumen mit Paneelöfen oder Fußbodenheizung Wärme zu erzeugen. Die Kälte im Norden ist eben mit hohen Kosten verbunden. Insbesondere, wenn man es im ganzen Haus behaglich warm haben will. In Deutschland haben wir knapp die Hälfte an Energiekosten gehabt. Allerdings sind wir fein raus, denn das Holz kostet uns nur die Arbeit und somit kommen wir relativ billig davon. Wenn man hier in Norwegen aber alles bezahlen muss, geht ein guter Teil des Jahresverdienstes für die warme Stube drauf. Und das obwohl Strom nur halb so teuer ist, wie in Deutschland.

 

Es ist angenehm in der warmen Stube zu sitzen, über solche Dinge in Zufriedenheit nachzudenken und nachdem man diese Gedanken aufgeschrieben hat, ist selbst ein eigentlich verkorkster „Heiliger Abend“ gar nicht so schlecht.

 

Und nun ein kleiner Film mit knisterndem Lagerfeuer. Ihr findet vielleicht Spaß daran und der Eine oder Andere denkt an Zelturlaub oder auch an ein kuscheliges Lied von Neil Young („Will to Love“ vom Album „American Stars And Bars“) mit „bonfire sound in the background“.

 

Also viel Spaß beim Anschauen und lasst euren Träumen freien Lauf!

Liane und Ralf      

                                                                             


Alles Gute zur Weihnacht und vor allem ein gemütliches, warmes Heim!

 

 

 

 

  

21.12. 2010 

Ruhe


Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auf Espetveit ist völlige Ruhe eingetreten. 


Das Holzschlagen im Wald haben wir inzwischen aufgegeben, denn am letzten Wochenende bekamen wir reichlich Neuschnee und der gesamte Sonnabend ging fürs Schneeräumen drauf. Die großen Flächen haben wir mit der Schneefräse am Traktor räumen können, aber es blieb auch genügend Schnee für den „Sörlandskuffer“, welcher ausschließlich mit Muskelkraft betrieben werden kann.

Bei den Pferden auf dem Paddock und direkt hinter dem Pferdestall, wo auch die Heuraufe steht, gingen wir im Laufe des Sonnabends fünf Mal mit dem "Skuffer" durch.

 

Szindi und Bandy ließen sich bei ihrem Aufenthalt im Freien weder durch unsere Arbeit, noch durch den vielen Schnee stören. Die beiden waren den ganzen Tag im Freien und haben sich so richtig einschneien lassen. Beide hatten seitlich am Fell kleine Eiszapfen hängen und der Rücken hatte eine dicke Schneeschicht als wärmenden Umhang um sie gelegt. Unsere Pferde sahen den Islandpferden sehr ähnlich und nur ihre Größe verriet ihre wahre Herkunft.

 

Anouk und Ylva hatten sich zu kleinen Huskys verwandelt. Toben, einbuddeln, gefrorene Pferdeäpfel knabbern und hin und wieder ein wenig mit Bandy stänkern, das füllte ihren Tag aus.

 

Nur unsere Schafe im Stall bekamen nichts vom vielen Schnee mit. Die frischen Zweige, die sie jeden Tag zum Knabbern in ihre Boxen bekommen waren teilweise mit Eis umgeben, so dass dies das einzige Zeichen des Winters im Schafstall war.

Inzwischen sind unsere beiden Böcke Hänschen und Dreizehn wieder in ihre Jungessellenwohnung eingezogen. Am 19.12. war ihr letzter Tag bei den Damen.

Wir sind gespannt, welches Schaf aufgenommen hat und wie viele Lämmchen im Frühjahr geboren werden.

 

Zur Zeit haben wir richtig frostige Temperaturen. Nachts bis zu 25 Grad minus und am Tag nicht mehr als – 10 Grad. Die Sonne lässt sich hin und wieder sehen und am Nachmittag rieselt  leise der Schnee.

 

Am kommenden Wochenende ist Weihnachten und wir beide haben alle 3 Weihnachtstage Dienst in der Klinik. So werden wir uns zu Hause wohl die Klinke in die Hand geben und das Weihnachtsfest fällt in diesem Jahr für uns aus. Aber so ist das eben, wenn man als Arzt im Krankenhaus tätig ist. Hier in Norwegen ist es nicht anders als in Deutschland. In diesem Jahr hat es uns beide erwischt - Weihnachten findet nur auf dem Kalender statt.

Nach dem Wochenende haben wir beide einige Tage frei und können so die Zeit nach unserer Laune und unserem Willen gestalten, … auch nicht schlecht.

 

Wir freuen uns auf den Rutsch ins neue Jahr. Der Sekt steht schon im Kühlschrank.

Es ist schön auf das neue Jahr anzustoßen und sich dabei wohl zu fühlen. Es wird sicher ein gutes Jahr!

 

Die drei Spatzen

 

In einem leeren Haselstrauch,

da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

 

Der Erich rechts und links der Franz,

und mitten drin der freche Hans.

 

Sie haben die Augen zu, ganz zu,

und oben da schneit es, hu !

Sie rücken zusammen, dicht an dicht,

so warm wie der Hans hat`s niemand nicht.

 

Sie hör`n alle drei ihr Herzlein Gepoch,

und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

 


  

 

 

08.12. 2010


Hals- und


Beinbruch 


 

Endlich ist es so weit. Die Loipe ist gelegt und nun kommt neben der Arbeit auf Espetveit auch etwas Zeit, um die müden Glieder wieder auf Vordermann zu bringen.


Wir hatten uns im letzten Jahr Langlaufski gekauft und hatten zusammen mit unseren beiden Mini Aussies Anouk und Ylva jede Menge Spass im Schnee bei schönem Wetter.


   

In diesem Jahr starten wir wesentlich früher mit unseren Touren auf unserer eigenen Loipe.   

 

Pål war so nett und hat uns vor ein paar Tagen die Spur mit seinem Scooter gelegt. So gehen wir mit unseren Ski auf dem Rücken ca 500 m hoch auf das Platau und können direkt unsere Langlauftour starten.

 

Anouk und Ylva sind natürlich mit von der Partie. Unsere Mädchen laufen mindestens das Dreifache der Strecke. Sie haben aber schnell erkannt, dass man wesentlich einfacher vorwärts kommt, wenn man sich an die vorgegebene Spur hält. Schauen, ob der Hase vielleicht noch in seiner Fährte steckt und unter der Schneewehe nach Mäusen suchen, macht den Ausflug für unsere beiden natürlich immer wieder aufs Neue interessant. Sagenhaft wie schnell die beiden sich in der Scooterspur fortbewegen. Deutlich langsamer geht es natürlich im hohen Schnee. Aber man merkt schon, dass die beiden 1 Jahr älter sind und so manche Schneewehe mit Leichtigkeit hinter sich lassen.

Was für uns natürlich ganz wichtig ist und wir freuen uns sehr darüber, daß die beiden immer in Sichtweite bleiben und auf Rufen kommen sie unmittelbar zu uns. Wir hatten ja anfänglich gedacht, daß Ylva, wenn sie die Möglichkeit hat, stiften geht. Aber nein, sie ist ganz lieb und bleibt bei ihrem Rudel. Das ist auch gut so.

Heute haben wir einen prächtigen Steinadler über uns kreisen sehen. Kann ja sein, dass er in unseren beiden Hunden Jagdobjekte sieht - hoffentlich nicht!


So nun sind wir gespannt, was die Skisaison in diesem Jahr an Überraschungen bereit hält. Wir hoffen natürlich auf guten Schnee, Sonnenschein und viel Zeit.

 

Alles, was läuft, kann leider auch gehen: natürlich schief!

 

                                                                                        Kuno Klaboschke 


04.12. 2010 Liebelei im Schafstall

 

So, nun ist es endlich so weit. Hänschen und Dreizehn sind zu Besuch bei den Schafsdamen.

Am 29.11. gab es ein großes Hallo. Unser Hänschen besuchte zuerst die Damen in der Box hinten links. Hesti, Mona, Maxi, Hanna, Rosa, Marie und Klara waren sehr verzückt Herrenbesuch empfangen zu können. Rosa hat Hänschen so verzaubert, dass beide gleich zum Liebesspiel über gingen. Rosa ist nicht mehr von seiner Seite gewichen. Tja, und da dachte Hanna sich, "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" und tat es Rosa gleich. Hänschen als bekannter Charmeur ließ sich auch nicht lange bitten. „Was man hat, das hat man“ und so beglückte er Hanna noch am selben Abend.

 

Inzwischen war Hänschen auch zu Besuch in der Box links vorne wo Emma, Fips, Martha, Største, Mausi, und Flecki stehen. Flecki war sofort dabei und nahm den Herrenbesuch ernst. Kurzes Liebesspiel und die Heirat war vollzogen. Fips ließ sich etwas bitten. Aber nach dem Austausch einer Reihe von Zärtlichkeit hat sie ihn regelrecht angehimmelt. 

 

So wandert unser Hänschen zwischen den beiden linken Boxen hin und her. Je nach Wunsch verweilt er kurz oder lang im entsprechenden Damenhaus.

 

Leider haben wir mit Hänschen ein ganz anderes Problem, … nämlich wenn es um die Fütterung geht. Hänschen ist ein so kräftiger Kerl, dass er mit seinem Hals nicht durch die Gitter passt. So bekommt er den Futtereimer in die Box gehängt, was natürlich die Schafsdamen ausnutzten und Hänschen ohne Gnade vom Futtereimer verdrängen.

Tja, man kann eben nicht alles haben. Neben dem sexuellen Vergnügen, muss man eben andere Dinge zurückstellen. Aber Hänschen trägt das mit Fassung. Sex steht zurzeit im Vordergrund, Futter kommt an 2. Stelle.

 

Wie doch plötzlich die Wichtigkeit von Dingen sich ändern kann. Was heute noch im Vordergrund steht kann morgen schon Nebensache sein. Der Standpunkt ändert sich eben je nach eigenem Ermessen. Warum soll es in der Tierwelt anders sein?

 

Unser junger Bock Dreizehn hat die Verantwortung für die Damen, welche in der hinteren Box rechts stehen. Sofort nach dem Wechsel von seiner Männerbehausung in das Damenhaus probierte er seine Chancen bei den älteren Frauen aus. Und siehe da, „Weißnicht“ gab ihm einen Wink und er durfte seine Manneskraft bei ihr als erste zeigen. Er ist noch etwas tollpatschig und längst nicht so charmant wie Hänschen. Aber wie es aussieht hat er dennoch gute Chancen bei den Damen. Fips ihre Mutti will von ihm noch nichts wissen, aber unsere Alfa war sehr interessiert und hat kurzerhand seinem Werben nachgegeben.

Dreizehn hat genügend Zeit, um sich bei den Damen einzuschmeicheln. Er wird bei ihnen volle 3 Wochen stehen und kann je nach Frauenlaune sich in Bereitschaft halten. Vielleicht schaut er sich ja ein wenig von Hänschen ab, so dass er letztlich alle Damen überzeugen kann.

 

Unsere 5 Jugendlichen in der Box vorne rechts werden in diesem Jahr noch keinen Herrenbesuch empfangen. Sie sollen genügend Zeit haben um sich entwickeln zu können. Im nächsten Jahr sind sie dann so weit, um sich unserem Jungbock Dreizehn zu zeigen. 

 

Das Wetter hier auf Espetveit hält sich stabil.

Wir haben Schnee und am Tage um die 10 Grad minus, nachts minus 20 Grad.  

                                                                                                Im Schafstall wird kontinuierlich geheizt und auch die Pferde bekommen ihren Wärmestrahler in der Nacht angeschaltet. Szindi hat zurzeit kleine Eiskristalle an den Nüsterhaaren und sieht aus wie ein richtiges Nordlandpferd. Beide Pferde bekommen aufgrund der kalten Temperaturen zum normalen Kraftfutter gebrochenen Mais dazu umso bessere Voraussetzungen für die Regulierung des Wärmehaushalts zu schaffen.

  

Anouk und Ylva sind trotz der niedrigen Temperaturen in ihrem Temperament nicht gezügelt. Sie lieben es nach wie vor im Schnee zu toben. Auch liegen die beiden lange im Schnee um Vögel, Lemminge und Mäuse zu beobachten und so einen günstigen Moment abzupassen, um diese zu fangen. Die ein oder andere Maus und auch einige von den Lemmingen werden im gefrorenen Zustand als Kaugummi benutzt und nicht gefressen. Die Vögel am Futterhaus wissen inzwischen um die Gefahr, wenn sie versuchen Futter aus dem Schnee zu suchen. Vögel haben wir in den letzten Tagen nicht mehr gefunden, aber Mäuse und Lemminge, die natürlich im Schnee nicht so schnell vorwärts kommen, werden immer wieder zum Spielball unserer beiden Aussiemädchen.

Na, ja so ist eben auch die Tierwelt. 

 

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.