Tagebuch - Kleine Schafkunde 

 

Bereits bei der Besichtigung der Schafherde am ersten Tag fiel uns ein kleines weißes Lämmchen auf, das sich die meiste Zeit abseits von den anderen Schafen aufhielt. Wie das bei Schafen so ist, standen immer mehrere kleine Schäfchen bei einem großen.

 

Unerfahren wie wir sind, dachten wir natürlich, dass das kleine weiße Schäfchen zu den anderen weißen Schafen gehören müsste (Tja, weit gefehlt, wie sich später herausstellte gehörten da nämlich auch graue zu schwarzen und weißen Schafen, konnten wir aber zunächst nicht wissen).

 

 

Auf jeden Fall machte das kleine weiße Lämmchen keine Anstalten sich überhaupt an ein anderes Schaf dranzuhängen.


 

Nachdem wir nach einiger Zeit (die Schafe liefen immer auseinander sobald wir ihnen zu nah kamen, tja, sie kennen uns halt noch nicht, ...n ebenbei haben sich auch die Hunde einen Spaß draus gemacht, immer dann wenn die Schafe dann doch mal still standen, angerannt zu kommen und zu bellen! ... die haben es halt einfach im Blut :D) die Schafe gezählt hatten (zu unserem Glück waren es 68, genau so viele wie es auch sein sollten), gingen wir zusammen mit Thyra, Neele und Sola, die schon wieder dicht gefolgt voneinander über die Wiese sprinteten, zurück zum Wohnhaus.

 

 

 

 

Als wir am nächsten Tag zur Schafherde zurückkehrten (zum einen um den Wassertrog aufzufüllen , ja es war sehr heiß, zum anderen um erneut die Schafe zu zählen, natürlich in der Hoffnung, dass alle da sind ;) ) stellten wir schnell fest, dass das kleine weiße Lämmchen, das uns am Tag zuvor besonders gefallen hatte, nicht da war. Na ja, wir dachten uns zunächst das wir es wohl einfach übersehen haben.

 

Da wir später sowieso noch einmal zurückkommen wollten, machten wir uns auf den Rückweg zum Bauernhof. Kurz nachdem wir unsere Richtung geändert hatten, war von weit unten ein verzweifeltes "määäh" zu hören. Aufmerksam geworden stiegen wir über den Zaun und stiefelten in Richtung Wald nach unten. Nach ca. 2/3 der Weide sahen wir ein kleines weißes Wollknäuel im sehr hohen Gras liegen. Als wir näher kamen streckte das kleine Wollknäuel seinen Kopf hoch. Hier erkannten wir, dass es das kleine Lämmchen vom Tag zuvor ist.



 

Auf Ansprache reagierte das Tier sehr gelassen und fraß weiterhin das Gras, das hier besonders gut zu sein schien. Nachdem wir das kleine Schäfchen dazu aufforderten doch bitte zurück zur Herde zu laufen, da es hier so weit abseits von allen anderen, gefährlich sei, lief das Schäfchen vor uns her in Richtung Herde.

 

Als wir uns den anderen Schafen näherten, "mähte" das kleine Schäfchen erneut, da es scheinbar erwartete, dass ihm seine Mama (oder auch jemand anderes) antwortet (wir erwarteten übrigens auch, dass jemand antworten würde, war aber nicht so).


Wir hielten uns in einigem Abstand zu dem Schäfchen auf, da wir ja nicht dafür verantwortlich sein wollten, dass die anderen Schafe unseretwegen vor dem Kleinen weglaufen.


 

Das Schäfchen näherte sich also der ersten Gruppe und "mähte" die kleine Gruppe erneut an. Die anderen Schafe machten daraufhin kehrt, sodass das kleine Schäfchen wieder alleine da stand. Daraufhin sah das kleine Schäfchen kurz in unsere Richtung und machte sich daraufhin wieder in Richtung Wald (in der genau entgegengesetzten Richtung) auf den Weg. Alle anderen Schafe hielten sich im oberen Bereich am Zaun auf und schienen auf irgendetwas zu warten (auf was genau konnten wir auch nach mehreren Tagen nicht in Erfahrung bringen).

 

 

Als das Schäfchen sich erneut in unsere Richtung umdrehte uns ansah und auf uns zukam, entschieden wir, dass wir das kleine Schäfchen mit auf den Bauernhof nehmen.

 

Wir wollten ihm zumindest etwas zu fressen geben, da das Kleine ziemlich dünn wirkte.

 

Ohne Widerworte ließ sich das Lämmchen auf den Arm nehmen, gab keinen Mucks von sich und schien sich nicht unwohl zu fühlen. Wir fanden das zwar komisch, dass das kleine so gar keine Berührungsängste hatte, nahmen das aber so hin und verließen die Weide erneut über den Zaun und stiefelten Richtung Bauernhof.

 

Dort angekommen setzten wir das kleine weiße Lämmchen in den Lammkindergarten, betteten das Häuschen mit Heu aus, stellten ihm einen Trog Wasser hin und gaben ihm ein Schälchen mit Kraftfutter (musste ja irgendwie mal was auf die Rippen bekommen das kleine Ding).

 

Sichtlich zufrieden legte sich das Lämmchen dort in die Hütte, als hätte es nie etwas anderes gemacht, und fing an das Kraftfutter zu fressen. Insgesamt machte das kleine Schäfchen einen sehr zufriedenen Eindruck (kurz fragten wir uns, ob wir wohl von dem kleinen schlauen Schäfchen ausgetrickst wurden und seine vermeintliche Notlage eigentlich gar keine war)

 

Na ja, aber da wir ja keine Experten sind, kontaktierten wir sofort Liane per Nachricht, gaben ihr Bescheid, dass wir das Lämmchen aus der Herde geholt hatten und fragten sie nach der weiteren Vorgehensweise.

 

Liane erzählte uns direkt, dass es sich bei dem kleinen weißen Lämmchen um Sophia handelt (da wir die Nummer an Sophias Ohr abgelesen hatten, wusste Liane natürlich sofort wer die Kleine ist). Hier erzählte uns Liane auch, dass Sophia nicht von ihrer Mutter angenommen wurde und daher mit Milchersatz ernährt werden musste. Sie hatte die Kleine erst am 10.06. zur Herde zurückgesetzt, da sie seit diesem Zeitpunkt groß genug war, um auch ohne Milch durchhalten zu können.

 

Die nächsten Tage umsorgten wir Sophia mütterlich, gaben ihr Wasser, Kraftfutter und Heu. Sie lief auch schon fleißig auf der Wiese herum und wann immer man sie sah, war sie am Fressen.

 

Wenn man sich zu ihr setzte kam sie zu einem, ließ sich streicheln und fühlte sich sichtlich wohl. Am liebsten hätten wir die Kleine eingepackt und mit nach Hause genommen, aber da sie hier eine wunderschöne Heimat hat und irgendwann auch zurück zu ihrer Herde gehen muss, freuten wir uns mit ihr mit.

 

 

Nachdem wir uns an unserem Abreisetag von Sophia verabschiedet hatten, lief sie zurück in ihre Hütte und fing (wie das so immer der Fall war) an zu fressen. Wir konnten daher guten Gewissens den Bauernhof verlassen, natürlich auch in dem Wissen, dass sie dort ja nicht lange allein sein wird.


 

Nachdem wir unsere Heimreise angetreten hatten und wieder in die schöne Pfalz zurück gekehrt waren, erhielten wir auch schon einen Anruf von Liane, die uns Neuigkeiten über Sophia mitteilte. Die kleine Erkunderin hatte sich nämlich bis zum Bächlein vor getraut und ist dort den Graben heruntergerutscht. Natürlich ist ihr hierbei nichts passiert, allerdings kam sie auch nicht mehr von alleine zurück auf die Wiese, sodass sie von Liane dort "gerettet" werden musste.

 

Im Anschluss daran (eigentlich hätte man es sich denken können), fing sie wieder an zu fressen und natürlich wagte sie sich trotzdem erneut an den Bach heran.

Wir hoffen, dass sie weiterhin gut auf sich aufpasst. Aber da sie nicht alleine ist, wird sie das schon schaffen.

 

 

Für uns war es eine schöne Erfahrung Sophia kennenzulernen. Sie wird für uns immer ein besonderes Schaf sein und wir hoffen, dass die kleine Welt- und Weidenerkunderin noch groß und stark wird.