"Dein Pferd weiß um Dich."
Es weiß, ob du
gut geschlafen zur Nacht,
ob du zerstreut oder gesammelt,
ob du fröhlich oder traurig,
ob du vertrauend oder zweifelnd bist,
ob du ans Reiten denkst
oder ans Frühstück.
Diese Worte schrieb Rudolf Binding vor 100 Jahren in seiner phantastischen „Reitvorschrift für eine Geliebte“. Damit drückt er das aus, was jeder Reiter und jeder der mit Pferden umgeht, wissen sollte.
Pferde haben ein feines Gefühl dafür, wie der Mensch ist und wie es ihm im Moment geht. Mit ihrem feinen Instinkt durchschauen sie uns und da hilft auch kein Verstellen.
Das Pferd wird zum Spiegel seines Besitzers. Wie das Pferd ist, bestimmt jeder in einem nicht zu unterschätzenden Rahmen selbst.
Monty Roberts hat uns mit seiner Join up Methode begeistert und so versuchen wir seine Gedanken und Methoden bei Szindi und Bandy umzusetzen. Ohne Gewalt, das Pferd als Partner anerkennen und mit ihm kommunizieren. Die Join up Methode nach Monty Roberts ist ein Weg, der auf Entscheidungsfreiheit und Vertrauen beruht. Das Join up ist ein fester Satz von Grundprinzipien, die die Sprache der Pferde verwendet.
Unsere beiden Pferde leben in einem sauberen, sehr geräumigen, hellen Offenstall mit einem integrierten Ruhe/Schlafraum. Dem Offenstall angeschlossen ist ein Paddock mit direktem Zugang zum Roundpen. Wenn es die Witterung erlaubt, haben Szindi und Bandy zu jeder Tag- und Nachzeit die Möglichkeit einen Ausflug auf die direkt angrenzenden Koppeln zu machen.
Frisches Wasser (beheizter Selbsttränker) und eine Raufe gefüllt mit selbst geerntetem Heu und Haferstroh stehen den beiden unbegrenzt zur Verfügung. Täglich gibt es 2x Kraftfutter.
Unseren Offenstall haben wir selbst gebaut. Eine Anleitung mit Bildern zum Bau findet ihr hier.
Szindi und Bandy
Angefangen hat unsere Pferdegeschichte mit unseren Reiturlauben in Ungarn. Anfänglich fuhren wir mit unseren Kindern. Als diese dann größer waren und keine Lust mehr hatten mit uns beiden Alten herumzuziehen, fuhren wir alleine. Wir besuchten immer den selben Reithof und Ralf hatte dadurch immer den gleichen Wallach unter seinem Hintern. Aufgrund familiärer Besonderheiten musste der Reiterhof in Ungarn sich verkleinern und wollte unter anderem auch Bandy, Ralfs „Urlaubs-Wallach“ verkaufen. Zigeuner wollten ihn als Kutschpferd benutzen. Als es an den Abtransport ging, weigerte sich Bandy strickt auf den LKW zu gehen. Alles half nichts und das Geschäft platzte. Wir hatten mitbekommen, wie rücksichtslos diese Menschen mit dem Pferd umgegangen waren. Es sollte nicht noch einmal passieren! Wir übernahmen spontan die Patenschaft über Bandy, bezahlten für ihn Unterhalt, so dass er auf dem Reithof bleiben konnte.
Na, ja und damit nahm die Geschichte ihren Lauf.
Ein halbes Jahr später holten wir Bandy nach Deutschland. Aber uns war klar, dass er nicht irgendwo eingestellt werden sollte. Wir wollten in Zukunft nicht nur reiten. Wir wollten auch für den Unterhalt sorgen, und zwar selbst. Ein Pferd kann nicht allein stehen. Also kauften wir unsere Szindi in Ungarn dazu. Die beiden kamen nach Rheinhessen mit einem unprofessionellen Pferdetransport, den wir in Ungarn kurzfristig organisiert hatten.
Wir pachteten Land in der unmittelbaren Nähe unseres Wohnhauses und die ganze Familie baute darauf einen Offenstall. Wir legten einen Reitplatz an und säten einige Koppeln ein. Die beiden sollte natürlich viel Bewegungsfreiheit haben.
Wir schafften Pferdehänger und Jeep an, waren innerhalb kurzer Zeit sozusagen „vollständig auf das Pferd gekommen“.
So veränderte eine Patenschaft für ein Pferd unser ganzes Leben. Bereut haben wir es nie.
Beide Pferde wanderten mit uns nach Norwegen aus. Zu Beginn mussten wir sie in einem Stall in der Nähe unserer Wohnung in Kristiansand einstellen. Was anfänglich gut aussah, verwandelte sich in eine Katastrophe. Bandy bekam eine ausgeprägte Infektion am Hinterfuß. Grund dafür waren hygienische Mängel im Stall und im Bereich des unzulänglichen Auslaufes. Anfänglich dachten wir es wäre nicht so schlimm und wir bekommen das schon wieder hin. Aber es wurde immer schlechter und so sahen wir uns nach einer besseren Lösung um. Wir mussten einen Stall haben der sauber und gleichzeitig genügend Auslauf für die Pferde bot. Die Beiden kannten keine Stallbox in Deutschland und standen schon 3 Monate hier in so einem Gefängnis. Zum anderen musste die Unterkunft für uns täglich erreichbar sein. Schließlich fanden wir einen modernen Stall, sauber, mit Dusche und Solarium für die Pferde. Wieder mit Boxenhaltung, allerdings größer und mit Paddock.
Wir fuhren 2 x täglich zum Stall und versorgten Bandy mit Verbänden und Spritzen. Es ging auf und nieder mit seinem Befinden und der konsultierte Tierarzt wusste sich keinen Rat mehr. Mauke war seine Diagnose, hoffnungslos, so meinte er.
Unserer Szindi ging es im Gegensatz zu Bandy gesundheitlich gut und auch die Box akzeptierte sie wirklich cool.
Intensiv suchten wir nach einem Bauernhof für uns und die Pferde, um die Bedingungen für alle zu verbessern und die Tiere wieder bei uns zu haben.
Am 31.Mai 2008 zogen wir nach ESPETVEIT.
Wir hatten einen neuen Offenstall gebaut und alle waren überglücklich. Auch unsere beiden „Grossen“, man spürte es. Nach 4 Wochen bekam Bandy einen Rückfall. Er ließ sich nicht mehr pflegen, nahm regelrecht Reißaus, wenn wir mit dem Halfter kamen. Sein Bein war dick angeschwollen und er bewegte sich nur noch auf 3 Beinen vorwärts.
Wir wollten auf keinen Fall, dass er sich weiter quält. So mussten wir uns schweren Herzens entschließen ihn von diesen Qualen zu befreien.
Bandy wurde am 3. Juli 2008 auf unserem Hof eingeschläfert. Wir konnten ihn ganz ruhig aus dem Stall führen. Er wirkte nicht ängstlich und hatte bis zum Schluss Vertrauen zu uns.
Bandy konnte zu Hause in Ruhe von uns gehen.
Wir werden ihn nie vergessen!
Für uns war es ein Augenblick, wo wir unsere Entscheidung aus Deutschland weggegangen zu sein in Frage stellten. Hatten wir auch für die Tiere richtig entschieden?
Noch am gleichen Tag bekamen wir ein Einstellpferd, welches auf der Sommerkoppel stehen sollte und so hatte Szindi eine kleine Freundin an ihrer Seite. Über 3 Tage hatte Szindi nach Bandy gerufen und dann akzeptiert, dass er nicht mehr zurückkommt.
Nach 2 Monaten waren wir so weit und konnten uns entschließen nach einem anderen Pferd Ausschau zu halten. Dieser Entschluss viel uns nicht leicht, aber Szindi konnte nicht allein stehen und wir wollten wieder ein zweites Reitpferd haben. Wir suchten im Internet nach einem Pferd welches zu unserer Szindi passte. So fanden wir einen Wallach, der uns der Beschreibung nach zusagte. Wir fuhren mit dem Pferdehänger in die Telemark und sahen uns das Pferd an. Es war Liebe auf den ersten Blick und wir entschlossen uns ihn sofort mitzunehmen. Als wir die Papiere ausgehändigt bekamen, traf es uns fast wie ein Blitz. Dieser Wallach der unserer Szindi in Farbe und Statur ähnlich war, hatte den Namen „Smart Little Bandit“, wurde Bandidos gerufen, was dem ungarischen Bandy entspricht. So bekamen wir unseren Bandy in Gestalt eines schwedischen Trabpferdes zurück.
Wir sind der Meinung, dass jeder Mensch und jedes Tier das Recht auf seinen eigenen Namen und seine eigene Identität hat. Niemand sollte der Abklatsch eines Anderen sein. Aber hier hatte das Schicksal ein Zeichen gesetzt und Bandy durfte Bandy sein.
Nun stehen Szindi (21 Jahre) eine dunkelbraune ungarische Halbblutstute mit schwarzem Schweif, schwarzer Mähne und schwarzen Socken an allen vier Beinen, sowie einer kleinen weißen Schnippe zusammen mit Bandy (18 Jahre), einem schwedischen Trabwallach. Beide sind identisch in Farbe und Statur. Nur Bandy hat eine kleine weiße Blesse und weiße Söckchen an den Hinterbeinen.
Jeden Tag kann man sehen, dass die Beide ein Herz und eine Seele sind, …soweit man dass von Pferden behaupten kann. Szindi und Bandy wirken zufrieden und ausgeglichen. Durch den Offenstall und mit dem damit in Verbindung stehenden Reitplatz können sie ihrem Bewegungsdrang nachgehen und im Sommer haben die beiden unendlich viel Koppelland. Wir haben gestaunt, wie gewandt und sicher sie sich im bergigen Gelände und im Wald bewegen können. Die beiden sind ein richtig „altes Paar“, was seinen Träumen im Alter nachgehen kann.
Was unser Traumpaar weiterhin auf unserem Hof erlebt und welchen Träumen sie nachhängen, könnt ihr zukünftig unter der Rubrik Aktuelles im Tagebuch finden oder unser Leben auschleißlich mit unseren Pferden zusammenfassend hier.
E S P E T V E I T
...unsere Welt mit
Mini Aussies, Pferden und Schafen